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Tuerchen 23

Türchen 23: Marie und die Dinge des Lebens

Cover "Marie und die Dinge des Lebens" © Bohem

Cover “Marie und die Dinge des Lebens” © Bohem

“Es war ein Riesenspaß, wenn Großmama kam. Dann sausten sie zusammen durch den Garten. Vom Kirschbaum bis zum Zaun, eine Runde um den Teich und wieder zurück. Danach futterten sie alle Kekse auf. Ist das nicht ein Spaß, den man nie vergisst? Sind das nicht die leckersten Kekse, die du je gegessen hast?

(aus: “Marie und die Dinge des Lebens” von Kaatje Vermeire und Tine Mortier)

“Augenblick verweile doch, du bist so schön!”, möchte ich ausrufen, in Momenten, in denen einfach alles stimmt. Etwa als Lesemaus, Leseratte, der Lesemaus-Leseratte-Papa und ich heute zusammen eine kleine Öko-Blaufichte mit zwei Spitzen selbst gesägt haben, die nun in unserem Christbaum-Ständer steht, und die ich ganz besonders liebe.

Das Leben ist in diesen Momenten so brennend schön, das es fast weh tut. Auch Marie kann das, Augenblicke genießen und das ist wichtig, denn sie sind das, was bleibt, wenn es wirklich weh tut. Hier findet Ihr meine vollständige Rezension auf dem Tidy Books Blog.

Und nur noch bis morgen: Die Lieblingsgören-Adventsverlosung von Astrid Lindgrens: Tomte Tummetott!

Tuerchen 11

Türchen 11: Der alte Mann und der Bär

Cover "Der alte Mann und der Bär" © Diogenes Kinder Klassiker

Cover “Der alte Mann und der Bär” © Diogenes Kinder Klassiker

,Da liegt ein Bär, Mutter. Wir müssen ihn füttern, vielleicht ist er ein verwunschener Königssohn.’ Zu Weihnachten denken sie alle an Märchen. ,Ach was, Königssohn’, sagten die Eltern. ,Und zum Füttern ist morgen noch Zeit.’ Aber als sie am nächsten Tag kamen, waren der Bär und der Vogel nicht mehr da. Ein Engel hatte sie geholt. Zu den Sternen getragen.

(aus: Janosch – Der alte Mann und der Bär, Diogenes Kinder Klassiker 1985)

Wie ist es, wenn alle Menschen wegschauen anstatt zu helfen? Wenn jeder nur sich selbst der Nächste ist, weil es unbequem wäre, hinzusehen? Es ist schrecklich und wir sollten daran etwas ändern!

Ich habe in diesem Jahr mit Lesemaus und Leseratte Spielzeug aussortiert, aus dem sie herausgewachsen sind und an bedürftige Familien gespendet. Beim Anblick des sehr gut erhaltenen Bobby Cars sagte der Mann des ehrenamtlichen Vereins zu mir: “Wollen sie das nicht behalten? Das ist doch noch so schön!” Ja, das ist noch schön! Aber warum sollen wir nur Dinge aussortieren, die schrottreif oder kaputt sind? Wenn schon spenden, dann doch auch Sachen, die anderen wirklich Freude machen. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit!

Hier geht’s zu unserer Adventsverlosung von Astrid Lindgrens: Tomte Tummetott! Vielleicht zum Weiterverschenken?

Fuer immer Beltz und Gelberg

Für immer

“Für immer” ist ein trauriges Buch. So traurig, dass ich es Lesemaus und Leseratte nicht vorlesen wollte und konnte, als es in unser Haus gekommen war. So traurig, dass ich selbst eine Träne verdrücken musste, als ich es gelesen hatte.

“Für immer” von Kai Lüftner und Katja Gehrmann handelt von der Sprachlosigkeit und Seltsamkeit, die andere Menschen befällt, wenn ein naher Verwandter gestorben ist. Egons Papa ist gestorben und nun ist Egon “zurückgeblieben”, wie es so oft heißt: “Aber nicht so, wie ihr vielleicht denkt, denn zurückzubleiben, hat nichts mit Dummheit zu tun. Zurück  bleiben die, die jemanden verloren haben. Für immer.”, erklärt Egon.

Flüstern, grinsen oder schweigen? Nein! Darüber sprechen!

Auch wenn die Welt noch immer so aussieht wie zuvor, für Egon ist sie plötzlich ganz anders. Gegen die Trauer helfen keine Tabletten und dass sein Papa nun für immer weg ist, erscheint ihm wie ein unendliches Labyrinth. Die Mitmenschen blicken mitleidig auf Egon, flüstern, machen hilflose Kommentare oder versuchen, besonders spaßig zu sein. Nur Egon fühlt sich weiterhin so, als ob er fällt, unendlich tief. Am schlimmsten findet er die, die gar nicht mit ihm reden. Die, die einfach nur betroffen gucken. So bleibt es an Egon, darüber zu sprechen und er erzählt dem Leser davon, wie sein Papa an Krebs gestorben ist und dass er nun fort ist. Punkt um. Nicht mehr und nicht weniger. So einfach ist das. Und so unendlich schwer.

Was bleibt?

Was bleibt ist Papa. Papa auf Egons Lieblingsfoto. Papa in Egon. Für immer. “Zumindest ein kleines Stück.”, sagt Egon. Ob das reicht? Es muss reichen und das ist für mich nach dem ersten Lesen des Buches schwer, denn es kann nicht reichen. “Wie soll es auch reichen?”, denke ich. Es soll und darf nicht sein, dass kleine Kinder ihre Mama oder ihren Papa verlieren. Das Buch muss doch mehr Hoffnung machen! Das tut es, aber nur zart, ganz zart. Denn so ist es, wenn die Trauer noch ganz frisch ist. Egons roter Drache, den er die ganze Zeit mit sich trägt, fliegt am Ende des Buches hoch in die Luft – wie eine Verbindungslinie zu seinem Papa. Da wird ihm klar, dass er seinen Papa in sich trägt und dieser kleine Papa in ihm geht niemals weg.

Ob dieses Buch, das von der Stiftung Lesen mit dem Leipziger Lesekompass 2014 (Kategorie 2-6 Jahre) ausgezeichnet wurde und im September 2013 unter “Die besten 7 Bücher für junge Leser” (Deutschlandfunk) gewählt wurde, einem Kind über die erste Trauer hinweghelfen kann? Ich weiß es nicht und ich will nichts Falsches versprechen. Kai Lüftner schreibt schonungslos ehrlich und das ist manchmal schwer. Die Illustratorin Katja Gehrmann hingegen, die für “Gans der Bär” das Troisdorfer Bilderbuch-Stipendium bekam, hat die Stimmung des kleinen Egon sehr gut getroffen und spürbar gemacht.

Vielleicht kann “Für immer” ein wenig Trost spenden und Kindern das Gefühl geben, dass sie nicht allein mit ihrer Trauer sind, denn Egon hat dasselbe erlebt.

Buchinformationen:

Kai Lüftner & Katja Gehrmann: Für immer, vierfarbiges Bilderbuch, ab 5 Jahre, erschienen bei Beltz & Gelberg, 2013

"Was ist das?", fragt der Frosch Beltz und Gelberg

“Was ist das?”, fragt der Frosch

Vor einiger Zeit ist ein Freund von mir gestorben. Kein sehr enger Freund, aber ein langjähriger Wegbegleiter. Das macht schon etwas mit einem und nicht nur mit mir, sondern mit der ganzen Familie.

Irgendwann kam dann die Kindergartentante zu mir und sagte, dass mein 3,5 jähriger Sohn sehr oft über das Sterben sprechen würde und empfahl mir mit ihm darüber zu sprechen.

Da ich schon einige mehr oder weniger gescheiterte Gespräche hinter mir hatte (Mama, musst du auch sterben? Schatz, alle Menschen sterben einmal. Ich auch?! Ich will nicht sterben!, gefolgt von einem Weinkrampf) entschloss ich mich dazu, mir ein Buch zu kaufen.

Die Auswahl war recht übersichtlich und viele der Bücher nicht sehr aktuell (was nicht heißt, dass sie nicht auch gut wären).

Ich entschied mich dann für das Buch „Was ist das?“, fragt der Frosch von Max Velthuijs (Beltz & Gelberg), da es „ab 4 Jahren“ angeben war.

Tod: Was ist das?

Im Buch findet ein Frosch eine Amsel, die sehr krank aussieht, aber sie ist nicht krank, sie ist tot. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Hasen, dem Schwein und der Gans, richtet der Frosch für die Amsel ein Begräbnis aus und am Ende wird aus der Trauerfeier eine Feier für das Leben.

Das Buch ist einfach, aber schön illustriert, die Sprache gut verständlich und hat mich auch selbst sehr berührt. Die Herangehensweise an das Thema Tod ist eine sehr philosophische und auch tröstliche: Obwohl der Tod etwas Trauriges ist, so ist es doch der Kreislauf des Lebens und am Ende ist es das Leben, das zählt. Jeder Augenblick, und sei er noch so einfach, ist wunderschön, wie das gemeinsame Spielen auf einer Wiese.

Aber versteht schon ein 3,5 Jähriger was sterben heißt?

Ich finde das Buch wirklich schön, aber ganz praktisch hätte ich vielleicht lieber ein Buch gehabt, in dem der Tod verständlicher erklärt wird als:

 „Tot?”, fragte der Frosch, Was ist das?

Der Hase zeigte zum Himmel hoch.

Alles stirbt einmal, sagte er.

Am besten so, dass keine Fragen mehr bleiben. Für mich bitte auch nicht.

Aber vielleicht geht genau das nicht. Zumindest nicht bei diesem Thema.

Mein Sohn wollte das Buch auf jeden Fall noch oft lesen, aber nach der Frage,

Mama, was passiert wenn wir tot sind? Schatz, dann kommen wir in den Himmel. Ich will nicht in den Himmel!

beschloss ich erst mal für mich, das Buch zu verstecken. Nicht alles muss man mit Bilderbüchern erklären. Manches kann man einfach nicht erklären.

Liebe Grüße,

Birgit

Buchinformationen:

Max Velthuijs: „Was ist das?“, fragt der Frosch, ab 4  Jahre, erschienen im Verlag Beltz & Gelberg, 1994

Zur Autorin: Birgit bloggt seit 2013 als Fräulein im Glück über ihren Weg zu einem einfacheren, bewussteren Leben mit Kind.

The best things in life are not things

Von Zeit zu Zeit stellen Gastautorinnen und -autoren ihre Lieblingskinderbücher bei uns vor. Wir danken Birgit vom Fräulein im Glück für diesen wunderbaren Buchtipp.