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Echte Kerle

Cover "Echte Kerle" © Beltz & Gelberg

Cover “Echte Kerle” © Beltz & Gelberg

Leseratte ist ein echter Kerl. Wenn er ein Motorrad sieht, streicht er liebevoll über dessen Flanken und stößt ein ehrfürchtiges “Oh!” aus. Er hat mir schon jetzt versichert, dass er später unbedingt einmal selber Motorrad fahren will. Und das mit zwei!

Um echte Kerle geht es auch in Manuela Oltens gleichnamigem Bilderbuch. Zwei kleine Jungs machen sich abends vor Lachen fast in die Hose, als sie sich über das – ihrer Ansicht nach – absolut dämliche Verhalten von Mädchen lustig machen.

 

Echte Kerle finden Mädchen blöd oder doch nicht?

Sie finden Mädchen langweilig, weil sie mit Puppen spielen, sich ständig an- und ausziehen und weil sie abends im Bett Angst vor Gespenstern haben. Gespenstern? Da kriegen sie es plötzlich selber mit der Angst zu tun und aus den echten Kerlen werden wieder kleine bedürftige Jungs.

“Echte Kerle” ist aufgrund seines hintergründigen Witzes erst für Kinder ab fünf Jahren geeignet. Der Comicstil der Illustrationen ist klar, deutlich und vor allem eines: lustig. Ein schönes Bilderbuch über machohafte kleine Kerle, die so machohaft gar nicht sind. Und kaum zu Hause düst auch Leseratte wieder vergnügt mit dem pinken Puppenbuggy von Lesemaus durch die Gegend.

Buchinformationen:

Manuela Olten: Echte Kerle, ab 5 Jahre, erschienen im Beltz & Gelberg Verlag, 2012

Lola glänzt

Cover "Lola glänzt" © NordSüd Verlag

Cover “Lola glänzt” © NordSüd Verlag

Im Winter gehe ich mit Lesemaus und Leseratte gerne Enten füttern. Umso gespannter waren wir auf Lola, die Hauptfigur des Bilderbuches „Lola glänzt“ – entstanden als Gemeinschaftswerk der Autorin Irene Gunnesch und der Illustratorin Heide Stöllinger.

“Doch: nichts mit freier Sicht in den Tag!”

Als der Laufente Lola eines Tages nicht das sprichwörtliche Brett vor Augen, sondern eine Nacktschnecke die Sicht versperrt, ist sie erst einmal schrecklich genervt. Die Schnecke wiederum – namens Fiona Mona Glitzerspur – will kein Laufenten-Lieblingsessen mehr sein und sich durch die Sichtsperre Gehör verschaffen.

Mit Hartnäckigkeit, Charme und Schneckenglitzer schafft sie es, Lola zu umgarnen und von der Leibspeise zur Herzensfreundin zu werden.

Zu viel Glitzer ist gefährlich

Doch eitle Enten, die zu viel glänzen, leben gefährlich und laufen Gefahr, vom Fuchs entdeckt zu werden. Der Glitzer muss ab und Fiona Mona Glitzerspur verziert fortan nicht mehr die Ente, sondern den Fuchs mit ihrer Glitzerspur, um ihre Freundin zu warnen.

„Lola glänzt“ ist ein Bilderbuch, das sehr vielschichtig von der möglichen Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen, eigentlich sogar verfeindeten Wesen erzählt und sich zudem noch mit dem Thema Eitelkeit auseinandersetzt.

Die mehrfach ausgezeichnete Illustratorin Heide Stöllinger  verwendet experimentelle Techniken bei der Gestaltung ihrer Bücher. Die Glitzerspur von Fiona Mona etwa ist aus den Spänen von angespitzten Ölkreiden entstanden, die sie mit Kleber fixiert hat. Ihr Stil ist frech, dynamisch und witzig. Zusammen mit der sehr lyrischen, für meine vierjährige Lesemaus aber nicht immer einfach verständlichen Sprache, von Heide Stöllinger ein künstlerisches Werk, das sich angenehm aus dem Mainstream der Bilderbuchlandschaft erhebt und zum Nachdenken anregt.

Buchinformationen:

Irene Gunesch / Heide Stöllinger: Lola glänzt, ab 4 Jahre, erschienen im NordSüd Verlag, 2014, erhältlich unter anderem in der Librileo-Bücherbox für 4-6-Jährige zum Thema “Freundschaft” vom Februar 2014.

Pinguin gefunden

Cover "Pinguin gefunden" © Aufbau-Verlag

Cover “Pinguin gefunden” © Aufbau-Verlag

Das derzeitige Lieblingsstofftier von meiner Leseratte ist sein „Limilum“. Immer abends vor dem Schlafengehen fragt er: „Wo ist mein Limilum?“ Hat er sich angefunden, kuschelt er sich mit ihm ins Bett und fordert „Zudecken Limilum!“. Limilum ist sein Pinguin und die beiden verbindet eine wunderbare Freundschaft.

Um das Thema Freundschaft geht es auch in „Pinguin gefunden“ von Oliver Jeffers, dem Buch der Bücherbox für 2- bis 3-jährige von Librileo für den Monat Februar. Das Bilderbuch von Oliver Jeffers erzählt eine Geschichte von Einsamkeit und Freundschaft.

Vor seiner Haustür findet ein kleiner Junge einen traurigen Pinguin und begibt sich mit ihm zusammen auf die Suche nach dessen Zuhause. Er klappert das Fundbüro ab, fragt die ignoranten Vögel, doch niemand – nicht mal seine Quietscheente – weiß Bescheid.

Die Reise zum Südpol

Schließlich findet er selbst heraus, dass Pinguine am Südpol leben und die beiden machen sich mit einem Ruderboot auf in Richtung Süden. Während der langen und aufregenden Überfahrt erzählt der Junge dem Pinguin Geschichten. Am Südpol angekommen sieht der Pinguin noch trauriger aus als je zuvor und der Junge stellt erschrocken fest, dass der Pinguin sich gar nicht verirrt hatte, sondern einfach nur einsam war. Und auch er möchte nun nicht mehr auf den Pinguin verzichten. Die beiden sind Freunde geworden.

„Pinguin gefunden“ ist ein sehr liebevolles Bilderbuch, dass vom Alleinsein erzählt und von Freundschaft. Die in Aquarelltechnik gemalten Hintergründe, die in kräftigen, vornehmlich blauen Farben gehalten sind, und die ausdrucksstarken Figuren verleihen dem Bilderbuch seinen besonderen Reiz. Leseratte ist nun abends nicht mehr nur auf der Suche nach seinem Limilum, sondern auch auf der Suche nach „Pinguin gefunden“. Denn er braucht Abend für Abend das beruhigende Gefühl, das entsteht, wenn der kleine Junge und der traurige Pinguin am Ende zueinander finden. So wie er und Limilum.

Buchinformationen:

Oliver Jeffers: Pinguin gefunden, ab 2-3 Jahre, erschienen im Aufbau Verlag, 2010, erhältlich unter anderem in der Librileo-Bücherbox für 2-3-Jährige zum Thema “Freundschaft” vom Februar 2014.

Abc-Vorlesegeschichten

© Cover Abc-Vorlesegeschichten Prinzessinnen, Dudenverlag

© Cover “Abc-Vorlesegeschichten Prinzessinnen”, Dudenverlag

Wenn die Einschulung bevorsteht, fragen sich viele Eltern, wie sie die Lesefreude ihres Kindes früh fördern und welche Bücher zur Einschulung sie verschenken können. Die Abc-Vorlesegeschichten des Dudenverlags haben sich zum Ziel gesetzt, den Spaß am Lesen- und Schreibenlernen zu wecken.

Lesemaus und ich haben das Buch für Euch getestet. Wobei sie die größere Expertin von uns beiden ist, da sie zur Zeit nichts mehr liebt als Buchstaben zu schreiben und Schule zu spielen.

 

 

Lesespaß zur Einschulung für Prinzessinnen und Piraten

Zwei Ausgaben gibt es: Eine für Prinzessinnen, eine für Piraten. Darin befinden sich 26 Vorlesegeschichten für Vorschulkinder, für jeden Buchstaben eine. So soll spielerisch das Abc vermittelt werden.

Für den Buchstaben R etwa klingt das in der Prinzessinnen-Ausgabe so:
„In Rosalias Reich ist alles rosarot. Das findet Rosalia richtig romantisch. (…) Sogar ihre Ravioli verspeist Rosalia nur mit rosaroter Rosinensoße.“

Untermalt werden die Geschichten durch kindgerechte bunte Illustrationen von Dorothea Tust gespickt mit Sprachspielen und Rätseln zum Mitmachen. Dass bei so vielen Buchstaben der Inhalt manchmal ein wenig zu konstruiert klingt, ist den Abc-Vorlesegeschichten zu verzeihen.
Lesemaus jedenfalls hat es nicht gestört und das Buch kommt immer wieder zum Einsatz.

Buchinformationen:

Dagmar Binder: Abc-Vorlesegeschichten Piraten/Prinzessinnen, ab 5 Jahre, mit Bildern von Dorothea Tust, erschienen im Dudenverlag, 2012

Nasebohren ist schön

© Cover „Nasebohren ist schön“, Thienemann Verlag

© Cover „Nasebohren ist schön“, Thienemann Verlag

Als meine Lesemaus ihre Nase als Objekt der Begierde entdeckte und zum ersten Mal hingebungsvoll darin popelte, fühlte nicht nur ich mich manchmal peinlich berührt. Ermahnungen halfen da meist nichts und der Finger wanderte wieder und wieder ins Nasenloch  – als ob es nichts Schöneres gäbe.

Ist Nasebohren schön? Ja!

Nichts Schöneres? Genau damit beschäftigt sich das Bilderbuch von Daniela Kulot „Nasebohren ist schön“, denn für Elefant, Maus und Frosch junior gibt es nichts Schöneres als in der Nase zu bohren.

Doch die Eltern sind davon wenig begeistert und malen schreckliche Folgen an die Wand, die vom zu vielen Popeln herrühren können. Das reicht von der Nasenspitzenwurzelentzündung bei der Maus bis zum Rüsselbruch beim Elefanten. Davon abgeschreckt lassen die drei den Finger erst einmal aus der Nase, bis sie ihre Großeltern treffen. Die sehen das mit dem Nasebohren ganz anders als die Eltern.

Fazit: Lesenswertes Anti-Erziehungsbuch

„Nasebohren ist schön“ von Daniela Kulot ist keine Neuerscheinung, doch trotzdem einen Buchtipp wert. Denn es ist ein freches Anti-Erziehungsbilderbuch, das uns und unsere Kinder lehrt, dass  der Genuss auch mal der Konvention vorgezogen werden darf. Wenig pädagogisch wertvoll, aber entspannend.

Und Hand aufs Herz: Gibt es einen Erwachsenen, der nicht manchmal heimlich popelt? Und die intensive Popelphase? Die hörte bei Lesemaus von ganz allein wieder auf.

Buchinformationen:

Daniela Kulot: Nasebohren ist schön, Bilderbuch ab 4 Jahre, erschienen im Thienemann Verlag in verschiedenen Ausgaben, auch als Pixi-Buch der Reihe 206 im Carlsen Verlag erhältlich