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Cover Issun Boshi, Copyright Kleine Gestalten

Issun Bôshi

Vor ein paar Jahren war ich in Japan – damals noch ohne Kinder – und ich war tief beeindruckt. Von der wunderbaren Landschaft, den quirligen Städten, der vielschichtigen Kultur. “Issun Bôshi – Das Kind, das nicht größer als ein Daumen war” ist im Original zwar in Frankreich erschienen, geht jedoch auf ein altes japanisches Märchen zurück. Schon das Cover zog mich deshalb in seinen Bann.

Ein großer-kleiner Kinderwunsch

Ein kinderloses Paar wünscht sich so sehr Nachwuchs, dass es ihm ganz egal ist, wie groß dieser wird. So singt es jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit dasselbe Lied: “Wir wünschen uns ein Kleines, und sei es noch so klein. Es kann wahrhaftig klein sein, winzig, winzig klein. Wir wünschen uns ein Kleines, und sei es noch so klein.”

Und tatsächlich, eines Tages bekommen die beiden Wünschenden einen Sohn, der so winzig klein ist, dass er bequem auf eine Handfläche passt. Sie nennen ihn “Issun Bôshi” – “Der, der nicht größer als ein Kinderdaumen ist.”

Issun Bôshi wird ein schlauer, quirliger Junge mit vielen Fähigkeiten – doch wachsen tut er nicht. Aber er ist mutig und geht trotz seiner Winzigkeit in die Welt hinaus, um “wahre Größe” zu beweisen. Mit einer Reisschüssel auf dem Kopf und einer Nadel an der Hüfte macht er sich auf den Weg.

Der Menschenfresser und der Schatz

Im Wald begegnet ihm ein Menschenfresser, der ihm verspricht, mit seinem Zauberhammer einen großen Kerl aus ihm zu machen, wenn er ihm aus der Stadt den besonders schönen Schatz aus dem großen Haus eines Herren mitbringt. Vor Ort findet Issun Bôshi jedoch keinen Schatz, sondern ein wunderschönes Mädchen, dem er als kleiner Unterhalter Gesellschaft leisten darf. Was er nicht weiß ist, dass das Mädchen der Schatz ist, den der Menschenfresser wollte. So kommt es eines Tages bei einem Spaziergang im Wald gemeinsam mit dem Mädchen zum Kampf zwischen dem japanischen David und seinem Goliath …

Wie’s weitergeht, will ich hier nicht verraten. Nur so viel: Es geht gut aus!

In guter alter japanischer Tradition

Cover "Issun Bôshi", Rückseite © Kleine Gestalten

Cover “Issun Bôshi”, Rückseite © Kleine Gestalten

“Issun Bôshi” ist ein wunderbares Märchen, das davon erzählt, wie einer Großes leisten kann, obwohl er klein ist. Für kleinere Kinder ist der Kampf mit dem Menschenfresser in guter alter japanischer Tradition ein bisschen zu brutal. Da habe ich einen etwas abgewandelten Text vorgelesen. Das ist ansonsten aber keineswegs der Fall.

Illustriert wurde das Bilderbuch von der französischen Kinderbuch-Illustratorin Mayumi Otero und dem Grafikdesigner und Illustrator Raphaël Urwiller – zusammen nennen sie sich “Icinori”. Die asiatisch anmutenden Zeichnungen sind holzschnittartig und gleichzeitig farbenfroh. Sie ziehen den Leser komplett hinein in die phantastische Welt des kleinen “Issun Bôshi”.

Unser Fazit: Ein sehr besonderes Buch aus der Kinderbuchreihe “Kleine Gestalten” des Gestalten-Verlags, der sich nicht umsonst mit Designbüchern einen Namen gemacht hat. Die Firma Gestalten ist darüber hinaus klimaneutral, was ich gerade im Umfeld von Kinderbüchern ein besonders wichtiges Engagement finde.

Buchinformationen: 

Icinori: Issun Bôshi – Das Kind, das nicht größer als ein Daumen war. Übersetzung aus dem französischen von Claudia Sandberg, Berlin 2014