Fuer immer Beltz und Gelberg

Für immer

“Für immer” ist ein trauriges Buch. So traurig, dass ich es Lesemaus und Leseratte nicht vorlesen wollte und konnte, als es in unser Haus gekommen war. So traurig, dass ich selbst eine Träne verdrücken musste, als ich es gelesen hatte.

“Für immer” von Kai Lüftner und Katja Gehrmann handelt von der Sprachlosigkeit und Seltsamkeit, die andere Menschen befällt, wenn ein naher Verwandter gestorben ist. Egons Papa ist gestorben und nun ist Egon “zurückgeblieben”, wie es so oft heißt: “Aber nicht so, wie ihr vielleicht denkt, denn zurückzubleiben, hat nichts mit Dummheit zu tun. Zurück  bleiben die, die jemanden verloren haben. Für immer.”, erklärt Egon.

Flüstern, grinsen oder schweigen? Nein! Darüber sprechen!

Auch wenn die Welt noch immer so aussieht wie zuvor, für Egon ist sie plötzlich ganz anders. Gegen die Trauer helfen keine Tabletten und dass sein Papa nun für immer weg ist, erscheint ihm wie ein unendliches Labyrinth. Die Mitmenschen blicken mitleidig auf Egon, flüstern, machen hilflose Kommentare oder versuchen, besonders spaßig zu sein. Nur Egon fühlt sich weiterhin so, als ob er fällt, unendlich tief. Am schlimmsten findet er die, die gar nicht mit ihm reden. Die, die einfach nur betroffen gucken. So bleibt es an Egon, darüber zu sprechen und er erzählt dem Leser davon, wie sein Papa an Krebs gestorben ist und dass er nun fort ist. Punkt um. Nicht mehr und nicht weniger. So einfach ist das. Und so unendlich schwer.

Was bleibt?

Was bleibt ist Papa. Papa auf Egons Lieblingsfoto. Papa in Egon. Für immer. “Zumindest ein kleines Stück.”, sagt Egon. Ob das reicht? Es muss reichen und das ist für mich nach dem ersten Lesen des Buches schwer, denn es kann nicht reichen. “Wie soll es auch reichen?”, denke ich. Es soll und darf nicht sein, dass kleine Kinder ihre Mama oder ihren Papa verlieren. Das Buch muss doch mehr Hoffnung machen! Das tut es, aber nur zart, ganz zart. Denn so ist es, wenn die Trauer noch ganz frisch ist. Egons roter Drache, den er die ganze Zeit mit sich trägt, fliegt am Ende des Buches hoch in die Luft – wie eine Verbindungslinie zu seinem Papa. Da wird ihm klar, dass er seinen Papa in sich trägt und dieser kleine Papa in ihm geht niemals weg.

Ob dieses Buch, das von der Stiftung Lesen mit dem Leipziger Lesekompass 2014 (Kategorie 2-6 Jahre) ausgezeichnet wurde und im September 2013 unter “Die besten 7 Bücher für junge Leser” (Deutschlandfunk) gewählt wurde, einem Kind über die erste Trauer hinweghelfen kann? Ich weiß es nicht und ich will nichts Falsches versprechen. Kai Lüftner schreibt schonungslos ehrlich und das ist manchmal schwer. Die Illustratorin Katja Gehrmann hingegen, die für “Gans der Bär” das Troisdorfer Bilderbuch-Stipendium bekam, hat die Stimmung des kleinen Egon sehr gut getroffen und spürbar gemacht.

Vielleicht kann “Für immer” ein wenig Trost spenden und Kindern das Gefühl geben, dass sie nicht allein mit ihrer Trauer sind, denn Egon hat dasselbe erlebt.

Buchinformationen:

Kai Lüftner & Katja Gehrmann: Für immer, vierfarbiges Bilderbuch, ab 5 Jahre, erschienen bei Beltz & Gelberg, 2013

2 Gedanken zu „Für immer

  1. Pingback: Der Dingdongdilli › Lieblingsgören: Lesen und lesen lassen

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