Der ganze Franz

Cover "Der ganze Franz" © Oetinger Verlag

Cover “Der ganze Franz” © Oetinger Verlag

Ich glaube, er war mein bester Freund. Früher. Und dann vielleicht auch so etwas wie meine erste Liebe. Obwohl er mir rein optisch gar nicht so zugesagt hat. Aber seine Erlebnisse, Abenteuer und Geschichten, die haben diesen Jungen so einzigartig für mich gemacht, dass ich noch heute gern an ihn denke.

Was klingt wie eine schmonzettige Liebeserklärung an den ersten Freund, ist indes eine an eines meiner Lieblingskinderbücher.

 

„Ein Mädchen kann doch nicht Franz heißen“

Denn der Franz, mit all seinem prallgefüllten Leben, der hat mich über sehr lange Zeit begleitet. Angefangen hat es, soweit ich mich erinnere, mit den „Geschichten vom Franz“. Damals, in der Bibliothek ausgeliehen, vertiefte ich mich sofort in seine Welt. Er war irgendwie zu klein, zu blond und hatte zu gelockte Haare, um auf den ersten Blick als Junge zu gelten.

„Der Franz ist sechs Jahre alt. Weil der Franz aber sehr klein ist, merken das viele Leute nicht. Sie halten ihn für vier Jahre. Und dass er ein Bub ist, glauben sie auch nicht.“

Damit konnte ich mich identifizieren, denn bei mir war es genau umgekehrt. Ich war zu groß und hatte zu kurze Haare, statt als Mädchen nahmen mich alle als Junge wahr. Da war es tröstlich zu erleben, dass Franz ganz wütend wird und eine kieksige Stimme bekommt, wenn er sich aufregt. Und letztlich sogar die Hose runterlässt, um zu beweisen, dass er eben doch ein Junge ist.

Identifikationsfigur für Erstleser/-innen

Es sind diese Alltagsgeschichten, die den Franz zu etwas Besonderem machen, für Jungen und Mädchen. Jedes Kind kann sich darin wiederfinden. Es gibt keine großen Geheimnisse, sondern die kleinen, die das Leben von Franz und damit auch seiner Leserinnen und Leser bereichern. Die Bücher bieten neuen Anstoß für Erstleser/-innen, ihre Welt zu erkunden. Sie werden da abgeholt, wo sie stehen. Es gibt keine phantastischen Elemente, sondern stattdessen die Nachbarin, die Familie und den Franz mittendrin. Damit kann sich jedes Kind identifizieren.

Viel Lesestoff

Diese Buchreihe erstreckt sich über so unglaublich viele unterschiedliche Geschichten, dass ich mich gefreut habe, dass die verschiedenen Bücher in einem großen zusammengefasst wurden. Noch ist mein Runzelfüßchen zu klein, um dieses Juwel der Kinderliteratur zu entdecken. Aber ich freue mich schon jetzt darauf, dass ihr diese Möglichkeit offen steht.

Buchinformationen:

Christine Nöstlinger: Der ganze Franz, erschienen bei Oetinger, ab 6 Jahre, 2011. Die Ausgabe ist inzwischen leider vergriffen. Stattdessen erhältlich ist der Sammelband: Alles vom Franz und seinen Freunden, erschienen bei Oetinger, ab 6 Jahre, 2014.

Andrea Zschocher

Von Zeit zu Zeit stellen Gastautorinnen und -autoren ihre Lieblingskinderbücher bei uns vor. Wir danken Andrea Zschocher vom Runzelfüßchen für diesen wunderbaren Buchtipp.

Ein Gedanke zu „Der ganze Franz

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