Archiv der Kategorie: Lesealter 4 – 6

Cover Pommes im Urwald

Pommes im Urwald – Das etwas andere Dschungelbuch

Pommes ist ein Hase und heißt eigentlich Fritz – aber alle nennen ihn Pommes. Weil er gern Pommes ist und weil er ganz schnell “Fritz futtert frische Fritten” sagen kann. Pommes ist ein “Schisshase”, das sagen jedenfalls manche. Aber er kann gut Geschichten erzählen – und das macht er am liebsten zusammen mit seinen Freunden Flitzer, der Maus und Wolke, der Gans.

Geschichten erzählen ist toll

Wenn sich die drei Freunde Geschichten erzählen, liefern zwei von ihnen fünf Wörter und der Dritte muss daraus eine Geschichte bauen. “Trompete”, “Krokodil”, “Frittenbude”, “Spinat” und “Urwald” sind diesmal die Begriffe und Pommes legt los …

Vom Hasen im Urwald

Während er so erzählt, landet er plötzlich selbst im Urwald als kleiner Hase, der für seine beiden Freunde Pommes holen will. Dort erzählt er einem Löwen, der ihn fressen will, eine weitere Geschichte (stinklangweilig – damit der einpennt), verdonnert ein gefährliches Krokodil schnell “Fritz futtert frische Fritten” zu sagen und erlebt weitere Abenteuer mit einem Elefanten und einem Bären – bis er endlich die gesuchte Frittenbude findet. Wie’s dann weitergeht, wird nicht verraten – denn das sollt Ihr Euren Kids selbst vorlesen ;-)

Fantasie macht Mut

“Pommes im Urwald” von Jochen Mariss und Inga Maria Blinde aus der Grafik Werkstatt ist ein fantasievolles anderes Dschungelbuch. Kinder lernen, dass man sich in der Realität nicht immer alles trauen muss, um anerkannt zu werden. Auch die “leisen” Fähigkeiten, wie die Gabe, spannende Geschichten zu erzählen und sich in diese hinein zu versetzen, zählen. Kleine und große Leser erhalten von Pommes tolle Anregungen, um eigene Geschichten zu erzählen, eine Fantasiereise zu machen oder einfach nur zusammen Spaß zu haben.

Buchinformationen: Jochen Mariss & Inga Maria Blinde – “Pommes im Urwald”, Grafik Werkstatt 2014, ab 4 Jahre

 

Cover Reggaehase Boooo

Der Reggaehase BOOOO und der gute Ton

“Wir sind SAAAT und wir lieben Salat!” – erinnert Euch das nicht an irgend so eine Berliner Band? Neeee! Der Reggaehase BOOOO mit vier O und seine Bandkumpanen Peter Fuchs und Herbie Heuler sind einzigartig und ihr erstes eigenes Lied (siehe oben) ist es auch!

Die Band Saaat

Die Band SAAAT

Die Band "Saaat"Die schwarze Wolke

Bei der Bandprobe

Bei der Bandprobe

Während das Reggae-Trio mal wieder in seinem unterirdischen Keller ein Lied mit einem “Dicken Zeh” ;-) probt, passiert draußen etwas Schreckliches. Eine dicke schwarze Wolke zieht auf und verdunkelt den Himmel. Als die drei nach draußen treten, sind alle Tiere im Reggaewald in einen tiefen Schlaf gefallen. Auch ihre süße Freundin, der Hase Josi, lässt sich nicht wieder wach küssen.

Alle sind eingeschlafen

Alle sind eingeschlafen

Der weise Skavogel weiß was

Da rufen die drei den mystischen Skavogel, der vermutet, dass die böse Hexe Babylonia dahinter steckt, aber auch nichts Genaues weiß, weil er im Mentogebirge auf Familienbesuch war. Er rät ihnen, die Plapperschlangen in der Plapperschlangenpappel zu befragen. Die plappern alle schrecklich durcheinander, lassen sich aber ganz gut verstehen, wenn sie singen. Vom “Buch der Könige” singen sie.

Das “Buch der Könige” und der gute Ton

Die Freunde machen sich also auf die Suche nach besagtem Buch und finden es in der Bibliothekshalle des königlichen Palastes. Dort lesen sie, dass nur der “gute Ton” den Fluch lösen kann und schaffen es erst zu dritt und schließlich gemeinsam mit den anderen Tieren des Waldes die Hexe Babylonia mit Hilfe der Musik zu besiegen. Am Ende gibt’s … Am Ende gibt’s – na was wohl? Ein Reggae-Konzert!

Für kleine und große Reggaefans

Der “Reggaehase BOOOO und der gute Ton” ist ein echter Geheimtipp für kleine und große Reggaefans. Irre witzig, wie die Band SAAAT das Songmaterial von SEEED verwurstet (Lesemaus und Leseratte wollen das immer wieder hören und wir Erwachsenen auch.) Die Geschichte ist herrlich schräg und cooool. Die Zeichnungen des Illustrators Lukasz Rusinek bestechen vor allem durch ihre eindrücklichen Farben.

Aber was wäre das Buch ohne die begleitende Audio-CD, auf der Sprecher Dr. Ring Ding mit wunderbar verlebter Musikerstimme die Geschichte erzählt und die Begleitmusik der Band SAAT, äh Yellow Umbrella zu hören ist. Die 1994 in Dresden gegründete Band hat den Reggaehasen Boooo erfunden und immer sonntags nach dem alljährlichen Dresdner Reggaefestival live aufgeführt. Daraus sind die Geschichten von Boooo entstanden, von denen es mittlerweile drei gibt. Nicht nur ein tolles Geschenk für Weihnachten!

Buchinformationen:

Jens Strohschnieder: Der Reggaehase BOOOO und der gute Ton, mit Audio-CD, ab 3 Jahre, 2015

Henry mit den Superkräften

Henry mit den Superkräften

Es gibt Kinder, die sind ein wenig anders als andere. Sie wirken ängstlicher, sensibler und empfindlicher. Gehört dein Kind zu diesen Kindern? Dann sollte es Henry kennenlernen. Den Jungen mit der SuperFÜHLKraft.

Hochsensible Persönlichkeiten

Highly Sensitive Persons (HSP) können Gefühle nicht so gut filtern wie andere und leiden deshalb schneller an emotionaler Erschöpfung. Das bringt ihnen oft das Unverständnis ihrer Umgebung ein. Betroffene Kinder werden als “Angsthasen” oder “Heulsusen” abgestempelt. Dass die besonderen Eigenschaften hochsensibler Kinder kein Fluch sein müssen, sondern ein Segen sein können, zeigt Petra Neumann in ihrem Kinderbuch “Henry mit den Superkräften”.

Henry hat Super Power

Henry ist acht Jahre alt und er hat Super Power (HSP). Mit seiner Gabe, Gefühle und Eindrücke intensiver wahrnehmen zu können als andere, ist er oft überfordert. Als er aber merkt, dass er nicht alleine ist, weil sein Mitschüler Pit auch Angst hat und da, wo andere nur einen schattigen Weg auf dem Nachhause-Weg sehen, ganz viel drumherum bemerkt, geht es ihm schon viel besser. Und er erlebt noch andere tolle Dinge. Wie aus seinem Geburtstag ein zauberhafter Tag wird,  wie er Situationen, vor denen er Angst hat, von der “Gefahr-” in die “Abenteuer-Schublade” und von dort aus sogar in die “Mut-” oder die “Spaß-Schublade” packen kann – und vieles mehr.

Ein kleines Buch, das Mut macht

“Henry mit den Superkräften” ist ein Mutmach-Buch für Eltern und Kinder, die damit zu kämpfen haben, dass unsere Welt so übervoll von Reizen ist. Henry ist oft überfordert und das verunsichert ihn – aber er und seine Eltern finden immer eine Lösung. Es muss zum Beispiel nicht das toughe Fußball-Training sein, Turnen macht Henry viel mehr Spaß. Andere Kinder haben auch Angst, andere Kinder sind auch mal schwach. Und das Beste: Das ist völlig ok! “Was ist deine Superkraft?”, fragt SuperFÜHLKraft-Henry am Ende des Buches.

Buchinformationen: Petra Neumann: “Henry mit den Superkräften oder warum in jedem Kind ein Held steckt”, für Kinder ab 6 Jahren, Verlag AMH Natürlich Leben

Wir verlosen ein Exemplar des Buches. Schreibt uns einfach in den Kommentaren bis 16. November 2015, warum Eurer Kind Henry braucht. Teilnehmen können alle Leser/-innen ab 18 Jahre. Der Gewinn wird nicht ausbezahlt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Cover von: "Das Buch vom Muessen und Machen", © Sauerländer Verlag

Das Buch vom Müssen und Machen

Wir müssen alle mal und reden nicht gerne drüber … “Das Buch vom Müssen und Machen” tut das schon und sogar ganz schön explizit. Hier geht es um Scheiße, Kacke, Aa: Das große Geschäft! Und das ist nicht einfach eklig, sondern echt interessant.

Eine Runde Scheiße…

…heißt es im Buch nicht nur an einer Stelle und das ist mir persönlich ein bisschen zu vulgär. Aber der Inhalt des comicartig aufbereiteten Wissen-Kinderbuchs ist hochgradig spannend. Von A wie Affe bis Z wie Ziegen dreht sich hier alles rund ums große Geschäft: Welches Tier macht wie und warum? (Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Raupe des australischen Schwalbenschwanzschmetterlings sich als Vogelkacke tarnt, um nicht gefressen zu werden?) Warum müssen Tiere und Menschen überhaupt aufs Klo? Wieso sieht Kot so unterschiedlich aus und wozu ist er sonst noch gut? Gibt es Tiere, die Toiletten bauen?

Kot ist nützlich

Kinder lernen zudem, dass Kacka nicht einfach Abfall ist, sondern auch zur Nachrichtenverbreitung und Orientierung dient. Dachse zum Beispiel stecken mit kleinen benutzten Latrinen ihr Revier ab. Außerdem verrät der Geruch von Kot den Artgenossen vieler Tierarten das Neuste aus dem Leben ihrer Kumpels, zum Beispiel, ob jemand Single oder schwanger ist. Und das Aa dient vielen Lebewesen als Nahrung, Forschern als Quell und Pflanzen zur Weiterverbreitung …

Viele Geschichten vom großen Geschäft

“Das Buch vom Müssen und Machen” erzählt Kindern ganz unbefangen von unseren Ausscheidungen und denen der Tiere. Am Ende haben sie anhand vieler Geschichten und Beispiele gelernt, dass Kacke nicht nur eklig und wertlos ist, sondern ein wichtiger Bestandteil des Kreislaufs des Lebens. Absolut empfehlenswert! Und wer, so wie ich, das S C H-Wort nicht so oft vorlesen mag, greift einfach zu einer harmloseren Variante. Das Buch wurde übrigens 2006 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

PS: Wusstet ihr eigentlich, dass gar nicht das Klo die meisten Bakterien im Haushalt aufweist, sondern dass diese an ganz anderen Orten zu finden sind? Wo, das seht ihr in dieser Grafik über die “Schmutzigsten Orte in der Wohnung, die uns freundlicherweise von Netzshopping.de zur Verfügung gestellt wurde.

Buchinformationen:

Nicola Davies & Neal Layton: “Das Buch vom Müssen und Machen”, Sauerländer Verlag, 3. Auflage 2007

 

Cover "Hurra, ich bin ein Schulkind" © Eulenspiegel Kinderbuchverlag

Hurra, ich bin ein Schulkind!

Das erste Schuljahr steht vor der Tür oder hat bereits angefangen. Aufregend, oder? Damit diese spannende Zeit in hoffentlich schöner Erinnerung bleibt, verlosen wir ein Exemplar von “Hurra, ich bin ein Schulkind – 2015. Mein Album zum Schulanfang” aus dem Eulenspiegel Kinderbuchverlag.

Schreibt uns einfach in den Kommentaren, welcher Moment der schönste eurer Einschulung war (auch wenn sie – wie meine – schon etwas her sein sollte. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an meine blaue Donald Duck-Schultüte, die ich viel zu jungsmäßig fand ;-). Lesemaus setzt da mehr auf die Eisprinzessin Elsa und ich hätte mir beim Basteln fast die Finger mit Sekundenkleber zusammengeklebt.).

Ereignisse des ersten Schultags festhalten

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Hurra, ich bin ein Schulkind

Und nicht mehr klein.

Ich trag auf meinem Rücken

Ein Ränzelein.

(…)

Mit diesem und vielen weiteren Gedichten versüßt das Album Erstklässlern und ihren Eltern den Schulbeginn. Das frisch gebackene Schulkind kann außerdem Fotos einkleben, kindgerechte Fragen beantworten, seinen ersten Stundenplan eintragen, Buchstaben schreiben und vieles mehr. Die Illustrationen sind bewusst im Retro-Look gehalten mit Bild-Zitaten, zum Beispiel aus dem Struwwelpeter.  Für mich hätte es auch ein bisschen moderner sein können – aber zum Stil des Buches gehört eben genau dieser “Erinnerungs-Gestus”. Kindern wird es sicherlich Spaß machen, das Buch zu befüllen und wenn sie erwachsen sind, wird das Buch eine tolle Erinnerung sein.

Buchinformationen:

“Hurra, ich bin ein Schulkind – 2015. Mein Album zum Schulanfang”, herausgegeben von Hans Hellbach. Illustriert und gestaltet von Hans-Eberhard Ernst, Eulenspiegel Kinderbuchverlag, 2015

Teilnehmen können alle ab 18 Jahren. Der Gewinn wird nicht ausbezahlt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Verlosung endet am 7. September 2015.

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Benny Blu: Kinderleicht wissen

Leseratte liebt Motorräder (“Guck mal Mama, ein Chopper!”), Züge, U-Bahnen, Baustellenfahrzeuge, Vulkanausbrüche und andere “Jungsdinger”. Die Lernbücher-Reihe aus dem Kinderleicht Wissen Verlag mit dem blauhaarigen Wuschelkopf Benny Blu ist da genau das Richtige für ihn (für wissensdurstige Mädchen aber genauso).

Benny Blu entdeckt die Welt

Ausgangspunkt für jedes Wissensbuch der Reihe ist die Frage eines Kindes. Beim Band “Unterirdisch. Verborgene Welten” ist es “Tobias Sperrer aus Wenzenbach, der schon immer wissen wollte, wie es unter der Erde aussieht.” Auch Benny Blu wird neugierig, als er mit seiner Mama auf dem Weg zu einem Picknick eine Baustelle mit Rohren und Leitungen und einen Maulwurfshügel sieht. “Welche Tiere leben dort? Gibt es unterirdische Schätze? Wie baut man Tunnels? Gibt es vergrabene Piratenschätze?” – das alles fragt sich Benny.

Und ab geht’s unter die Erde

Die Wissensreise wirft einen tiefen Blick unter die Oberfläche der Erde. Anschaulich wird erklärt, wie die Erde aufgebaut ist, was über und unter der Erde wächst und lebt. Zwischendurch erwartet den kleinen Leser eine Benny Blu Spezialfrage: “Warum kommen Regenwürmer eigentlich bei Regen an die Oberfläche?”. Vorgestellt werden auch besondere Tiere, wie der afrikanische Nacktmull, der kein Fell, aber dafür lange Tasthaare hat sowie Höhlen und ihre extravaganten Bewohner.

Spannende Eindrücke für kleine Höhlenforscher, © Kinderleicht Wissen Verlag

Spannende Eindrücke für kleine Höhlenforscher, © Kinderleicht Wissen Verlag

Aber auch die Menschen sind unter der Erde aktiv. Was passiert zum Beispiel unter Stadt oder unter dem Meer? Welche Bodenschätze gibt es und wo werden Schätze versteckt? Den Antworten auf all diese Fragen wird anschaulich nachgegangen, gemixt mit Benny Blu Wissens-Tipps und kleinen Mitmach-Aufgaben.

Unter der Erde finden sich Überreste früheren Lebens, © Kinderleicht Wissen Verlag

Unter der Erde finden sich Überreste früheren Lebens, © Kinderleicht Wissen Verlag

Anschauliche Wissensbücher mit Pfiff

Benny Blu nimmt die kleinen Leser an die Hand und findet mit ihnen zusammen heraus, was die Welt im Innersten zusammenhält. Mit Titeln wie “Energie”, “Haie”, “Vulkane”, “Umweltschutz”, “Schätze” und vielem mehr gelingt es der Lernbücher-Reihe den kindlichen Wissensdurst und Forscherdrang zu stillen und zu fördern. Es macht einfach Spaß zusammen mit dem blauhaarigen Schlaukopf auf Entdeckungstour zu gehen! Und das Format der Bücher ist perfekt, um geballtes Wissen mit in den Urlaub zu nehmen oder einfach nur unterwegs dabei zu haben. Für kleine Forscher eine wunderbare Alternative zum Pixi.

10 Jahre ist die Benny Blu-Reihe im Jahr 2014 geworden. Neben den Lernbüchern ab 5 Jahren gibt es die Bambini-Reihe mit Bildergeschichten und Wissensbüchern für Kinder ab 3 Jahren (Leseratte liebt aber auch schon die Bücher für die 5-Jährigen – ich lese sie immer vereinfacht vor), die Benny Blu Bücherbande ab 8 Jahren mit Kurzgeschichten für Leseanfänger und die Fantasy-Reihe: Benny Blu und die Geheimnisse Arkaniens ab 10 Jahren. Mehr als 300 gedruckte Einzeltitel sind insgesamt bereits erschienen.

Buchinformationen:

Benny Blu Lernbücher, ab 5 Jahren, über 120 Einzeltitel, 32 Seiten, DIN A6, 1,99 Euro (D)
Mehr Informationen findet Ihr auf www.bennyblue.de. Dort könnt Ihr Euch auch für den Newsletter anmelden und Buchpakete gewinnen.

Cover "Florian lässt sich Zeit", © Tyrolia

Florian lässt sich Zeit

Inklusion ist in aller Munde und tolle Blogs wie Sonea Sonnenschein und kaiserinnenreich  leisten einen großartigen Beitrag dafür, dass das so bleibt. Jenseits der Debatten ist es wichtig zu sehen, dass es darum geht, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Darum, nicht nur Plätze für “Inklusionskinder” an Schulen zu schaffen, sondern ein aktives Miteinander zu leben, in dem jeder so sein kann, wie er ist. Ich habe im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Einrichtung für schwerst-mehrfach-behinderte Erwachsene gearbeitet und das wichtigste, was ich dabei gelernt habe, war: Egal welche Behinderung jeder einzelne hatte, er war ein Mensch. Ein Mensch wie du und ich – mit alltäglichen Sorgen und Nöten. Das Problem hatten oft mehr die angeblich “Normalen.”

Das hat sich vielleicht auch Adele Sansone gedacht, als sie das Bilderbuch “Florian lässt sich Zeit” geschrieben hat.

Eine Geschichte zum Down-Syndrom

"Florian lässt sich Zeit" © Adele Sansone

“Florian lässt sich Zeit” © Adele Sansone

Florian und sein jüngerer Bruder Peter gehen zusammen in den Kindergarten. Florian “ist ein besonders Kind – ein Kind mit Down-Syndrom, wie die Erwachsenen sagen.” Als alle schon Ball spielen, ist er noch nicht im Gruppenraum. Als alle konkrete Bilder malen, malt er nur einen roten Kreis und stottern tut er auch. Darüber machen sich manche Kinder lustig. Sein Bruder und die Erzieherin aber sagen einfach nur “Florian lässt sich Zeit”. Zeit mit dem Spielen, mit dem Malen, mit dem Reden.  Doch nicht alle verstehen, dass er nicht alles so kann wie sie.

Nur Florian spielt nicht mit © Adele Sansone

Nur Florian spielt nicht mit © Adele Sansone

Als die Kinder draußen spielen, macht er deshalb nicht mit. Doch dann fällt Lisa hin und er eilt zu ihr, um sie zu trösten. Da merken die anderen, dass es nicht nur nervt, sich Zeit zu lassen, sondern dass es ganz toll ist, wenn einer sich Zeit nimmt, um die Tränen eines anderen zu trocknen. Florian ist nicht wie alle anderen. Aber das auch und vor allem im positiven Sinne!

Behinderung ist keine Krankheit

Adele Sansone erzählt eine einfühlsame Geschichte darüber, dass das Down-Syndrom nicht nur negative Seiten, wie Entwicklungsverzögerungen, hat, sondern auch ganz besondere Stärken und ganz besonders liebevolle und liebenswerte Menschen hervorbringt. Die Zeichnungen im Aquarellstil hätten an mancher Stelle noch etwas Feinschliff vertragen, aber der Inhalt stimmt und zeigt wunderbar, dass Behinderung keine Krankheit ist und jeder Mensch als derjenige akzeptiert werden sollte, der er ist. Das Buch erscheint demnächst auch in China.

Lesemaus und Leseratte werden auf eine Schule gehen, die seit vielen Jahren Kinder mit und ohne Behinderung erfolgreich zusammen unterrichtet. Im angegliederten Hort arbeiten auch einige behinderte Erzieher und Erzieherinnen, deren Arbeitsplatz auf ihr jeweiliges “Handicap” ausgerichtet ist. Inklusion sollte bedeuten, dass jeder einen Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft hat, auch nach der Schulzeit.

Buchinformationen:

Adele Sansone: Florian lässt sich Zeit, Verlagsanstalt Tyrolia 2012, ab 4 Jahre

Cover Paula Frau Hummel und die Liebe © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Paula, Frau Hummel und die Liebe

Das Kindergartenkind Paula und Frau Hummel sind Nachbarinnen in einem kleinen Dorf, das nur aus sieben Häusern besteht. Wenn Paulas Mutter in der Stadt im Kiosk Zeitungen verkauft, dann passt die schon etwa ältere Frau Hummel, von Paula nur “Hummel” genannt, auf sie auf.

Das Angelritual und die Anzeige

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Paula und Frau Hummel auf dem Weg zum Angeln, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Sonntags gehen Paula und Frau Hummel sowie Kater Benno seit neuestem zusammen angeln an ihrer Lieblingsweide am See. Sonntags ist die alleinstehende Frau Hummel nämlich sonst ganz schön einsam. Doch mit einem Mal wird alles anders, als Paula erfährt, dass die alte Frau Besuch von einem Mann bekommen wird, den sie über eine Anzeige kennengelernt hat: “Älterer Herr aus Greifswald sucht liebevolle Dame.” Heinrich heißt der Mann und sieben Briefe auf rosa Papier hat er der über Sechzigjährigen schon geschrieben. Da versteht Paula, dass der Besuch wichtig ist – trotzdem sie Eifersucht fühlt.

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Sieben rosarote Briefe, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Heinrichs Besuch

Emsig bereiten Paula und Hummel alles vor für Heinrichs Besuch, putzen, backen und streichen sogar die Eingangstür rot an – rot wie die Liebe! Aber als Heinrich kommt, ist er so gar nicht, wie sie in sich vorgestellt haben. Er sieht ein bisschen aus wie eine Vogelscheuche, kann sich kein Leben auf dem Land vorstellen und mag lieber Leberwurstschnitten als den selbst gebackenen Streuselkuchen. Paula wiederum mag ihn nicht und vor allem will sie nicht, dass er ihr Hummel wegnimmt. Und Frau Hummel? Die mag nicht in die Stadt ziehen und ihre Paula verlassen und den See, an dem sie angeln.

Ob es trotzdem noch ein Happy End gibt?  Dazwischen liegen ein zersplitterter Stamm, ein neuer Steg  und ein kaputter Daumen.

Ein Buch über Freundschaft und Liebe

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Am Lieblingsplatz, noch ohne Heinrich, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

In “Paula, Frau Hummel und die Liebe” erzählt der Autor Wolfgang Mahlow die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen einer alten Frau und einem Mädchen, das seine Freundin nicht verlieren will. Es ist aber auch die Geschichte einer Liebe zwischen älteren Menschen und wie sie funktionieren kann, trotzdem beide nicht ins Bild des jeweils anderen passen.

Wolfgang Mahlow erzählt die Geschichte auf “kästnersche Art” mit viel Tiefgang … und viel Text. Es ist für Kinder ab 5 teilweise ein ganz schöne Herausforderung so lange zuzuhören. Auch bei Lesemaus hatte ich bei der Lesung auf der Leipziger Buchmesse das Gefühl, dass sie abschweift. Das stimmte aber nicht – sie hörte trotzdem konzentriert zu (wie sich nachher herausstellte) und freute sich darüber, dass ein Verlagsmitarbeiter herum ging und den Kindern die Illustrationen im Kinderbuch von Dorina Tessmann zeigte: Frau Hummel, die ein bisschen aussieht wie das gleichnamige Tier und die kleine, frech aussehende Paula mit den schwarzen, kurzen Zöpfen. Zart sind die Illustrationen, feinsinnig und skizzenhaft.

“Paula, Frau Hummel und die Liebe” ist keine leichte Kost für Kinder und ein bisschen liegt über dem Buch die Schwere der verlassenen und kleinen Dörfer in vielen Teilen Ostdeutschlands. Die Uckermark diente dem Autor als Vorbild.

Doch genau das macht das Buch auch aus, dass es sich eben nicht einreiht in den Mainstream, sondern daraus hervorragt mit einer liebevollen, einfühlsamen und fein-witzigen Geschichte.

Verlosung

Wir verlosen ein von Autor und Illustratorin auf der Leipziger Buchmesse für Euch signiertes Exemplar des Buches. Schreibt uns einfach in den Kommentaren, was für Euch Liebe ist! Die Verlosung läuft bis 17.5.2015. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Buchinformationen:

Wolfgang Mahlow & Dorina Tessmann: Paula, Frau Hummel und die Liebe, Steffen Verlag 2014, ab 5 Jahre

Cover Issun Boshi, Copyright Kleine Gestalten

Issun Bôshi

Vor ein paar Jahren war ich in Japan – damals noch ohne Kinder – und ich war tief beeindruckt. Von der wunderbaren Landschaft, den quirligen Städten, der vielschichtigen Kultur. “Issun Bôshi – Das Kind, das nicht größer als ein Daumen war” ist im Original zwar in Frankreich erschienen, geht jedoch auf ein altes japanisches Märchen zurück. Schon das Cover zog mich deshalb in seinen Bann.

Ein großer-kleiner Kinderwunsch

Ein kinderloses Paar wünscht sich so sehr Nachwuchs, dass es ihm ganz egal ist, wie groß dieser wird. So singt es jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit dasselbe Lied: “Wir wünschen uns ein Kleines, und sei es noch so klein. Es kann wahrhaftig klein sein, winzig, winzig klein. Wir wünschen uns ein Kleines, und sei es noch so klein.”

Und tatsächlich, eines Tages bekommen die beiden Wünschenden einen Sohn, der so winzig klein ist, dass er bequem auf eine Handfläche passt. Sie nennen ihn “Issun Bôshi” – “Der, der nicht größer als ein Kinderdaumen ist.”

Issun Bôshi wird ein schlauer, quirliger Junge mit vielen Fähigkeiten – doch wachsen tut er nicht. Aber er ist mutig und geht trotz seiner Winzigkeit in die Welt hinaus, um “wahre Größe” zu beweisen. Mit einer Reisschüssel auf dem Kopf und einer Nadel an der Hüfte macht er sich auf den Weg.

Der Menschenfresser und der Schatz

Im Wald begegnet ihm ein Menschenfresser, der ihm verspricht, mit seinem Zauberhammer einen großen Kerl aus ihm zu machen, wenn er ihm aus der Stadt den besonders schönen Schatz aus dem großen Haus eines Herren mitbringt. Vor Ort findet Issun Bôshi jedoch keinen Schatz, sondern ein wunderschönes Mädchen, dem er als kleiner Unterhalter Gesellschaft leisten darf. Was er nicht weiß ist, dass das Mädchen der Schatz ist, den der Menschenfresser wollte. So kommt es eines Tages bei einem Spaziergang im Wald gemeinsam mit dem Mädchen zum Kampf zwischen dem japanischen David und seinem Goliath …

Wie’s weitergeht, will ich hier nicht verraten. Nur so viel: Es geht gut aus!

In guter alter japanischer Tradition

Cover "Issun Bôshi", Rückseite © Kleine Gestalten

Cover “Issun Bôshi”, Rückseite © Kleine Gestalten

“Issun Bôshi” ist ein wunderbares Märchen, das davon erzählt, wie einer Großes leisten kann, obwohl er klein ist. Für kleinere Kinder ist der Kampf mit dem Menschenfresser in guter alter japanischer Tradition ein bisschen zu brutal. Da habe ich einen etwas abgewandelten Text vorgelesen. Das ist ansonsten aber keineswegs der Fall.

Illustriert wurde das Bilderbuch von der französischen Kinderbuch-Illustratorin Mayumi Otero und dem Grafikdesigner und Illustrator Raphaël Urwiller – zusammen nennen sie sich “Icinori”. Die asiatisch anmutenden Zeichnungen sind holzschnittartig und gleichzeitig farbenfroh. Sie ziehen den Leser komplett hinein in die phantastische Welt des kleinen “Issun Bôshi”.

Unser Fazit: Ein sehr besonderes Buch aus der Kinderbuchreihe “Kleine Gestalten” des Gestalten-Verlags, der sich nicht umsonst mit Designbüchern einen Namen gemacht hat. Die Firma Gestalten ist darüber hinaus klimaneutral, was ich gerade im Umfeld von Kinderbüchern ein besonders wichtiges Engagement finde.

Buchinformationen: 

Icinori: Issun Bôshi – Das Kind, das nicht größer als ein Daumen war. Übersetzung aus dem französischen von Claudia Sandberg, Berlin 2014

Cover: Der neugierige Garten, © Bohem Verlag

Der neugierige Garten

Lesemaus, Leseratte und ich lieben unsere Terrasse. Jetzt wo der Frühling ruft und draußen die Vögel wie irre zwitschern, haben wir schon so einiges gepflanzt. Narzissen, Hyazinthen, Tagetes blühen auf dem Balkon. Kleine Tomatenpflänzchen und Sonnenblumen sprießen drinnen auf dem Fensterbrett.

Pflanzen wider die Tristesse

Was gibt es Schöneres als an einem grauen Tag seine Blumen zu begutachten, hier ein altes Blütenblättchen zu entfernen und da ein bisschen zu düngen und zu gießen? Für Liam ist das nicht selbstverständlich. In Peter Browns Bilderbuch “Der neugierige Garten” gibt es eine Stadt “ohne Gärten, ohne Bäume, ja gänzlich ohne das kleinste bisschen Grün.” Trostlos, oder? Bis Liam, der gerne draußen ist, eines Tages auf die alte Hochbahntrasse steigt und ein kleines Fleckchen mit Wildblumen und Pflanzen entdeckt. Fast am Eingehen sind sie. Liam nimmt sich ihrer an, gießt sie, schneidet sie zurück und wird mit der Zeit ein richtiger kleiner Gärtner.

Urban Gardening für Kleine

Und schwupps: Plötzlich ist die ganze Bahntrasse voll mit kleinem Unkraut, Mosen und lieblicheren Pflanzen. Da kommt der Winter und mit ihm verschwindet die Pracht. Doch Liam gibt nicht auf und im nächsten Frühling beginnt sein Garten sich auf die Reise zu machen. Hinein in die triste, graue Stadt. Und das beste: Liam ist nicht mehr allein! Viele neue kleine Gärtner haben sich ihm angeschlossen, um ihr Wohnumfeld zu begrünen. Am Ende ruft die Utopie der grünen Stadt.

Das Eisenbahnviadukt im Westteil Manhattans als Vorbild

Der Autor Peter Brown konnte es sich nicht vorstellen, dass aus Beton, Stein und Stahl Pflanzen wachsen können, bis er entdeckte, dass die Natur sich vieler undenkbarer Orte bemächtigt.

Ein altes Eisenbahnviadukt im Westteil Manhattans diente ihm als Inspiration für das Bilderbuch. Denn als er die wild bewachsene ehemalige Highline sah, begann er darüber nachzudenken, was denn passieren würde, wenn man sich dazu entschiede, eine ganze Stadt zu begrünen: “Womit würde es beginnen?”

Der Bohem Verlag steht für wunderschön illustrierte Bücher in edler Aufmachung. Ich liebe es, über den schönen Leinen-Einband von “Der neugierige Garten” zu streichen. Die Sprache ist manchmal ein bisschen zu sehr an der Erwachsenenwelt orientiert, aber die Message des Buches kommt rüber und regt nicht nur die Großen zum Nachdenken an.

Der Frühling ruft! Urban Gardening rocks!

Warum wir noch keinen Kleingarten haben, lest ihr hier: Normcore sein wie Ryan Gosling?

Buchinformationen:

Peter Brown: Der neugierige Garten, ab 3 Jahre, Bohem Verlag 2014