Archiv der Kategorie: Lieblingskolumne

Kennst du Pippi Langstrumpf

Meine Kinder sind Sachensucher

Ich habe mich sehr gefreut, als mich Ramona vom Kielfeder Blog gefragt hat, ob wir Lust haben an einer Astrid Lindgren-Blogparade teilzunehmen, denn es gibt eine Sache, die meine Kinder garantiert von Pippi haben:

Das Sachensuchen (und -finden!)

Wenn ich die Jacken meiner Kinder waschen möchte, muss ich erst einmal ihre Taschen entleeren und was mich dort so erwartet, reicht von kleinen bröseligen Rindenstückchen über gelbe Patronenkügelchen aus ominösen Kinderpistolen, die ich noch nie gesehen habe. Armreifen waren auch schon dabei oder ein abgebrochener farbenfroher Stern für die Fahrradspeichen eines Kinderrads. Gefunden werden – jenseits der Jackentaschen – auch gern mal größere “Sachen” (wie das Bild unten beweist).

Die Welt ist voll von Sachen

“Die ganze Welt ist voll von Sachen und es ist wirklich nötig, dass jemand danach sucht. Und genau das tun die Sachensucher”, sagt Pippi in Astrids Lindgrens Bilderbuch “Kennst du Pippi Langstrumpf?”, erschienen im Oetinger Verlag. Und was findet Pippi? Eine rostige Blechbüchse, und eine leere Garnrolle – alles höchst uninteressant für unsere Erwachsenenwelt, aber höchstwichtig für die bunt vor Phantasie strotzende der Kinder.

“Alte hohle Bäume sind die allerbesten Stellen für Sachensucher.”

Und auch Pippis Freunde finden in der Geschichte des Buches ganz besondere Sachen: Tommy  in einem hohlen Baum ein feines Notizbuch und Annika eine rote Korallenkette. Wollt ihr die letzten Fundstück-Highlights von Leseratte und Lesemaus sehen?

Schleimiger Schneckenschatz, © Stefanie Roloff

Dass Schneckenschleim auch ganz bezaubernd hübsch machen kann, lest ihr in der Geschichte von Fiona Mona Glitzerspur und Laufente Lola.

Sachensucher2

Schauriges Apfelmonster, © Stefanie Roloff

 

Mehr Pippis braucht das Land

Wir sollten nicht alle Fundsachen in den Taschen unserer Kinder für Müll halten, auch wenn sie vielleicht so aussehen ;-), sondern sie uns genauer anschauen. Erst dann wird sich unser Blick wieder öffnen und wir werden erkennen, dass eine Blechbüchse, wie bei Pippi, wunderbar dazu dienen kann, Nacht zu spielen, wenn es Tag ist, indem man sie sich über den Kopf stülpt. Und dass eine leere Garnrolle zum Seifenblasenmachen benutzt werden kann oder auch gut an einer Halskette aussieht. Dass Nacktschnecken schön sind und Äpfel wie kleine Monster aussehen können. Pippi und Astrid Lindgren sei dank!

Übrigens: Jetzt ist wieder Kastanienzeit und da könnt ihr mit euren Kids spacige Figuren zaubern.

Kastanien Attacks, äh Mars Attacks ..., © Stefanie Roloff

Kastanien Attacks, äh Mars Attacks …, © Stefanie Roloff

Davor müssen sie natürlich gesammelt werden. Ganz in Pippi-Manier.

Mehr Beiträge zur tollen Pippi-Parade findet ihr beim Kielfeder Blog.

Happy 2015 c SRoloff

Happy 2015! Auf ein Neues :-)

2015 ist da – hurra – und wir waren es erst mal nicht. Also physisch gesehen schon, aber es gab das so ein klitzekleines Problem beim Einloggen. Das heißt, eigentlich funktionierte es überhaupt nicht mehr. Und so gab es eine kleine Zwangspause. Die war doof, aber irgendwie auch nicht, denn dadurch hab ich mir mal wieder klar gemacht, dass es sich durchaus lohnt, zwischendurch einen Gang runter zu schalten und alles ein wenig langsamer angehen zu lassen.

Das Jahr 2015 wollen wir dazu nutzen, Euch wieder viele schöne neue und alte Kinderbücher ans Herz zu legen, das ein oder andere zu verlosen und die ein oder anderen Lieblingsblogger zu Wort kommen zu lassen.

Wir freuen uns sehr auf ein buntes Jahr mit Euch! Lest vor und lasst Euch vorlesen …

Herzlichst,

Eure Lieblingsgören

 

Vorlesemoment zum bundesweiten Vorlesetag

Zum Vorlesetag: Unser liebster Lesemoment

Jedes Jahr veranstaltet die Stiftung Lesen am dritten Freitag im November den bundesweiten Vorlesetag. 2014 fällt die Veranstaltung auf den 21. November. An diesem Tag heißt es vorlesen was das Zeug hält, an öffentlichen Orten aus bekannten Büchern oder im Stillen zu hause. Librileo hat schon vorab eine Blogparade zum Thema “Dein liebster Lesemoment” gestartet und wir beteiligen uns gerne mit unserem derzeit liebsten Lesemoment.

Gesund lesen

Leseratte war gerade erst krank mit hohem Fieber und Schmerzen im Hals und am Kopf, wie er sagte. Mit glasigen Augen lag er abwechselnd im Bett und auf dem Sofa. Das einzige, was ihn aufmuntern konnte, waren Bücher. Und so legte ich mich neben ihn und las ihm abwechselnd aus seinen derzeitigen Lieblingsbüchern, wie Osman, der Angler, Petterson und Findus sowie aus seinen gesammelten Polizei-, Bagger-, Laster- und Feuerwehrbüchern vor. Immer und immer wieder … und abends noch sein Lieblings-Gute Nacht-Buch Plönk, das er schon fast auswendig kennt.

Plötzlich hatte er die Schmerzen und das Fieber vergessen und seine glasigen Augen waren in die Ferne geschweift zu den Geschichten, die ich ihm vorgelesen hatte. Die Krankheit war für diese Momente fast aus unseren Köpfen verschwunden.

Unser liebster Lesemoment

Bücher können nicht gesund machen, aber sie können dabei helfen, Sorgen und Krankheiten für einen kurzen Moment zu vergessen. Beim gemeinsamen Vorlesen kann man es sich gemütlich machen und besondere Augenblicke teilen ohne viel Aufhebens zu machen. Dabei tankt man unheimlich viel Kraft und fühlt sich auf einmal besser.

Deshalb ist dies unser liebster Lesemoment 2014, der den besonderen Zauber von Büchern und dem Vorlesen an sich ganz besonders deutlich werden lässt.

Momsrock

#MOMSROCK oder “Was ich wirklich gut gemacht habe!”

In der fünften Klasse habe ich mich in der Schul-Disko bei “We will rock you” von Queen auf den Boden gekniet, um mit beiden Händen lautstark mitzuklatschen. Heute knie ich mich nieder, um Schuhe zu binden, alte Kekskrümel unter dem Sofa hervorzuholen, um zu trösten, Haare zu ordnen und Jacken zu schließen. Die neue Spezies, die ich anbete, sind meine Kinder. Und auch wenn sie mich oft an den Rand des Wahnsinns bringen, sie rocken meine Hütte und mein Leben. Aber rocke ich auch?

Vom Enten füttern und Anhimmeln

Leseratte (fast 3) antwortete auf die Frage, was ich denn gut mache: “Die Enten mit Brot füttern!” Nur leider haben wir seid sehr langer Zeit keine Enten mehr gefüttert, denn es war ja Sommer. Aber vielleicht hat das letzte Mal bei ihm einen besonders guten Eindruck gemacht, zumal er das meiste von den trockenen Brötchen selbst aufgegessen hatte. Lesemaus (5) sagte schlicht und einfach: “Alles!” Da wurde es mir ganz warm ums Herz. Aber – to be honest – so richtig nachempfinden konnte ich das nicht, sondern ich dachte: “Na ja, noch sind sie klein und himmeln mich an, egal was ich tue!”

Was mache ich eigentlich gut?

Da habe ich mir mal die Frage gestellt, was ich eigentlich gut mache und bin Lucie Marshall sehr dankbar für ihre Blogparade, denn wann fragt man sich das als Mutter eigentlich überhaupt mal?

10 Dinge, die ich in letzter Zeit als Mama wirklich gut gemacht habe

Hier meine persönliche Liste der Top Ten der Dinge, die ich in letzter Zeit richtig gut gemacht habe:

1. Ich habe meine Tochter als böse Fee und meinen Sohn als Fledermaus verkleidet laut kreischend bei ihrem Halloween-Rundgang begleitet und dabei sogar etwas Neues über den Reformationstag gelernt.

2. Ich habe mich nach über 15 Jahren das erste Mal wieder auf’s Pferd geschwungen, um später einmal mit meiner Tochter zusammen auszureiten, und hätte mir dabei fast den Hals gebrochen.

3. Ich habe von Fischstäbchen über Nudeln mit Pesto bis hin zu Pfannkuchen mit Zucker vieles gekocht, was vor allem meine Kinder mögen – und ab und zu mal was Gesünderes ;-).

4. Ich bin fast jeden Morgen mit verbogenem Rücken aufgewacht, weil sich ein kleines Wesen in unser Bett geschlichen hat und ich mich verdreht hingelegt habe, um ein ängstliches Händchen zu halten.

5. Ich habe Lieblingsbücher, wie “Alles über Dinosaurier” oder “Filly Princess Magic – Eine Feier für Crystal (oder “Mamas persönliche Folterkammer”)” zum gefühlt 100.000. Mal vorgelesen und im Auto “Conny ist krank” und “Der kleine Eisbär” in Dauerschleife gelauscht.

6. Ich bin wild durch die Wohnung gehopst und habe mich mit meinen Kindern kichernd im Kreis zur Musik MEINER Wahl gedreht, die ihnen dann doch irgendwie gefallen hat.

7. Ich habe meine Tochter zu ihrer Lieblingsballettlehrerin in ihren Lieblingsballettkurs gebracht, auch wenn die anderen Mütter dort nur darüber reden, wie erfolgreich ihre Kinder mal sein werden und jetzt schon sind. Mein Sohn ging parallel dazu mit mir zusammen zum Kinderturnen zu seiner “Minnemonika (Monika)” und der Geräuschpegel war ohrenbetäubend.

8. Ich habe sie tagein tagaus getröstet, umfangen, bekuschelt und ermutigt, wenn ihnen etwas weh tat und sie Kummer hatten und mich mit ihnen zusammen über die kleinen Dinge des Lebens gefreut, zum Beispiel über ein Eichhörnchen auf der Terrasse.

9. Ich habe ihnen zugehört, wenn sie mir die Geschichten ihrer kleinen Welt erzählten, über Bagger und Zauberfeen plauderten, und dabei mit jedem Mal etwas Neues dazugelernt.

Und zu guter Letzt etwas Pathos:

10. Ich habe sie über alles geliebt und tue es jeden Tag mehr und würde jederzeit alles tun, um sie zu beschützen.

Mensch, da ist mir doch mehr eingefallen als ich dachte und hey: Es hat echt gut getan, mal darüber nachzudenken, was ich als Mutter gut gemacht habe und nicht, was schlecht. Und ich bin gar nicht rot geworden vor Lobhudelei, sondern sogar ein bisschen stolz und ein bisschen zufriedener. Und das sollten alle Mütter mal ausprobieren, wenn sie wieder darüber nachdenken, warum ihr Kind noch nicht bis Hundert zählen oder die Schuhe allein zubinden kann.

Es lebe die Teilzeit! Oder doch nicht?

Teilzeit: Ein Leben in Stückchen

Ich habe einen Blog, die Lieblingsgören, und ich betreibe ihn gern und darüber hinaus arbeite ich als freie Journalistin und PR-Managerin. Aber eben: Teilzeit.

Teilzeit, Teilzeit, Teilzeit. Alles immer nur T e i l z e i t … Ich räume in Teilzeit die Wohnung auf, wasche in Teilzeit die Wäsche, sitze in Teilzeit am Computer und wechsle in Teilzeit die Windeln. Und obwohl das doch ganz abwechslungsreich ist und mir alles daran eigentlich ganz gut gefällt, fühle ich mich schlecht. So als ob ich ein Leben hätte, das aus lauter kleinen Stückchen besteht: Broken to Pieces.

Teilzeit: Nichts Halbes und nichts Ganzes

Medienberichten zu folge ist es D A S  Thema auf deutschen Spielplätzen. Die Diskussion darüber, was besser ist: Teilzeit, Karriere in Vollzeit oder Hubschraubermama?

Ich bin Teilzeit- und Hubschraubermama. Was das heißt? Das heißt zum einen Verwirrung und Stress: Denn wenn ich am Rechner arbeite, denke ich an die Kinder, wenn ich den Haushalt schmeiße an den Rechner und wenn ich bei den Kindern bin an Haushalt und Rechner.

Was den vermeintlichen Blick anderer auf mich angeht, fühle ich mich wie ein geteilter Mensch. Was bin ich denn? Bin ich freie Journalistin und PR-Frau? Bin ich Mama? Bin ich Hausfrau? Irgendwie alles und nix! Tolle Jobangebote musste ich absagen, weil sie nur in Vollzeit gehen. Meine Wohnung ist immer nur teilzeit-sauber und als Hubschraubermama habe ich zudem noch das Gefühl, meinen Kindern nicht gerecht zu werden. Ihnen zu wenig zuzuhören, zu wenig mit ihnen zu spielen und zu wenig bei ihnen zu sein, wenn ich mich beim Vorlesen dabei ertappe, wie ich aufs Smartphone schiele, weil ich auf Rückmeldung eines wichtigen Auftraggebers warte.

“Augenblick, verweile doch, du bist so schön!”

Wo ist da denn der Augenblick? Zwischen all den Bergen an Wäsche, Arbeit und Verantwortung kann ich mich meist nur im Urlaub ausgraben. Da bin ich plötzlich ich. Da ist es mir plötzlich egal, ob andere mich für meine Leistung anerkennen, da hab ich plötzlich Zeit für meine Kinder, da gibt es keinen Haushalt, für den ich mich übermäßig verantwortlich fühle und da werfe ich meinem Smartphone nur einen verächtlichen Seitenblick zu.

“Anspannung ist, wer Du denkst, dass Du sein musst. Entspannung ist, wer Du bist.” Diesen Spruch habe ich kürzlich auf einer Seite für Yoga-Sprüche gelesen – bei der Recherche für einen Auftrag. Und ja, das stimmt!

Ein Leben in Stückchen, das könnte ja auch ein buntes Mosaik sein und keine zerrissene Uhr.

Trocken werden @ SR

Trocken werden

“Ich hab’ Kacka gemacht!” – Das brüllt eigentlich nur Lesemaus (5) vom eigentlich “stillen” Örtchen aus, wenn sie eine helfende Hand braucht. “Ich hab’ Kacka gemacht!” – Das brüllte vor kurzem Leseratte. Leider nicht vom stillen Örtchen aus, sondern aus den Untiefen eines Häuschens auf dem Spielplatz. Stolz grinsend lugte er schließlich aus der Tür des Häuschens und präsentierte mir zwei ineinander verschlungene kleine Würstchen.

Ein Kacktag …

Was soll ich sagen? Ich hatte ihm die Windel ausgezogen, denn es war ein sehr heißer Tag und wir waren auf einem Spielplatz mit einer Pumpe. Und eigentlich, so dachte ich, kann man doch von einem schon recht großen kleinen Kerl mit 2,5 Jahren erwarten, dass er nach einer Windel verlangt, wenn ihm danach ist. Na ja, ich entfernte den Schlamassel und hörte eine Mutter ihre Kinder zurückpfeifen: “Geht da nicht hin, da hat jemand ins Häuschen Kacka gemacht. Böser Seitenblick auf mich.

… mit Pipi

Kurze Zeit später kam Lesemaus zu mir, die gefühlte Tonnen Obst gegessen hatte (es war ja so heiß). Sie sagte mir, dass sie nun mal eben auch ganz dringend groß müsse. Und weil kein Klo in der Nähe war, setzte ich sie auf einen mit einer Plastiktüte ausgestopften Buddeleimer. “Ich darf doch da auch Pipi reinmachen, oder?” Schwupps war’s schon zu spät und ich entsorgte eine fies aussehende Plastiktüte im Mülleimer. Dabei versuchte ich so wenig Aufsehen wie möglich zu erregen, die bösen Seitenblicke verfolgten mich aber weiter.

Nachdem Leseratte schließlich auch noch aus Versehen einen Stein auf die Schulter eines viel größeren Jungen geworfen hatte, der megalaut brüllte, und sein großes Geschäft mit einem kleinen Geschäft abgeschlossen hatte (ich brauche nicht zu erwähnen, dass dies wieder in besagtem Häuschen erledigt wurde), packte ich ihn endgültig zurück in die Windel und wir gingen nach Hause.

Zuhause befand sich – fast wie beim kleinen Maulwurf – eine minikleine Kackwurst vor der Eingangstür. “Bleib’ weg von der Kackwurst!”, rief ich noch. Da war es schon zu spät und Leseratte bohrte hingebungsvoll in das kleine Würstchen, das  wer weiß ich nicht  hier abgelegt hatte.

So erlebte ich meinen ersten richtigen Kacktag im wahrsten Sinne des Wortes, der in einer duftenden Badewanne endete. Morgen üben wir weiter!

PS: Wisst Ihr, was Lesemaus einmal sagte, als sie in ihrem Kinderzimmer auf den Boden gemacht hatte? “Ich hab einen Regenbogen gekackert!” Ja, von der Form her stimmte es …

Normcore oder Hardcore?

Normcore sein wie Ryan Gosling?

Kürzlich sah ich ein Bild von Ryan Gosling, auf dem er ein schlichtes graues Longsleeve und dazu eine einfache Jeans trug. Dass er dabei trotzdem nicht wie der Typ von nebenan aussah, brauche ich Euch nicht zu sagen.

Wie der neue Style heißt? Normcore! Normcore, nicht Hardcore. Das kommt auch mir als Mutter zugute. Denn plötzlich bin ich wieder hip. Gerade weil ich nicht mehr in auffälligen Klamotten rumrenne und auf Hardcore-Konzerte gehe wie früher, sondern weil ich Jeans und T-Shirt trage und auf Spielplätzen abhänge.

Einigkeit, Heiterkeit und Frohsinn

Ich dachte, ich sei spießig geworden. Zwei Kinder, Eigentumswohnung in ruhiger Lage, Schlafmangel nur noch, weil die Kinder nicht schlafen. Aber, aber! Spießig? Nein! Normcore!

Und Normcore ist in, nicht umsonst prügeln sich die jungen Hipster-Familien derzeit um jeden der wenigen verfügbaren … SCHREBERGÄRTEN! So auch ich mit meiner Family. Die Kolonien tragen dabei so schöne Namen wie Einigkeit, Heiterkeit und Frohsinn. Wenn das nicht Normcore ist?

Weniger Normcore war im Kleingartenareal allerdings, dass Leseratte lautstark “Ha, ho, heeeee!!!” brüllte, als er mit herauslugender Windel durch die gestutzten Wege sauste. Weniger Normcore war auch, dass er plötzlich versuchte, einen Gartenzwerg aus einem Loch im Zaun zu ziehen und ich ihn gerade noch davon abhalten konnte, ihn zu zerdeppern.

Als wir schließlich bei einer Besichtigung zusammengest(r)aucht wurden, weil ein Kind, das gar nicht uns gehörte, in der Hütte des Gartens herumtollte (“Noch gehört der Kleingarten nicht Ihnen!”), gaben wir auf.

Sind wir nicht alle ein bisschen …

Sorry, Ryan, da kannst Du noch so sexy die Stirn runzeln, wir sind doch nicht normcore. Mir macht es immer noch Spaß, den ein oder anderen Hardcore-Song zu hören und meine Kinder würden es einfach nicht schaffen, im Schrebergarten-Sperrgebiet die Mittagsruhe einzuhalten, was für Normcorler Pflicht ist – denn nur so gehen sie lässig in der Masse auf.

Deshalb kapitulieren wir und rufen laut: “Sind wir nicht alle ein bisschen hardcore?” Ja, und das ist auch gut so!

Wellness fuer Muetter Laura Berg

Mama macht blau: Eine Auszeit mit Tücken

Wer Mama ist, der braucht hin und wieder eine Auszeit. Gut wäre ein dicker roter Buzzer, der immer dann gedrückt werden kann, wenn’s zu viel wird. Die Zeit bliebe stehen – alle Menschen (besonders die kleinen) im Freeze erstarrt – ich selbst aber bliebe quietschfidel. Dann könnte ich gemütlich die Waschmaschine beladen, den Trockner anschmeißen, die Spülmaschine ausräumen, die Krümel unterm Tisch mit meinem neuen Akkustaubsauger wegrüsseln und im Anschluss ein gutes Buch lesen oder ein bisschen arbeiten. Ganz ohne Zeitverlust! Geht nicht? Geht nicht!

Mama-Wellness

Stattdessen bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in ein Wellnesshotel gefahren, habe mich dort in die Steinsauna gesetzt und gemütlich vor mich hingeschwitzt, bin dort durch Sole geschwebt und habe eine Schönheitsbehandlung gebucht. Die Haut wird ja schließlich auch nicht jünger und bei all dem Schlafentzug bilden sich schnell ein paar Fältchen mehr als bei kinderlosen Menschen (oder bilde ich mir das ein?). Abgeschminkt begegnete mir ein rotgesichtiges, müdes Etwas im Spiegel, das nur entfernt an mich erinnerte.

“Das arme, arme Häutchen”

Bei der gebuchten Gesichtsmassage wurde ich – rotgesichtig wie ich war – atemlos von der Masseurin bearbeitet (leider weniger mit den Händen als vielmehr verbal): “Das arme, arme Häutchen, das arme Häutchen (es war wohlgemerkt meine Gesichtshaut gemeint, nicht das, was sich jetzt manch’ einer vorstellen könnte)! Sie sollten unbedingt unsere Detox Delux-Behandlung buchen und keine Paraffine mehr verwenden, denn diese Paraffine, diese Paraffine, die machen alles kaputt.” Waren es wirklich die Paraffine oder einfach nur die kleinen Delfine bei mir zu Hause? Zurück im Ruheraum des Spa: Nachdenkenswert! Die Detox-Behandlung erschien mir mit über 100 Euro “ein wenig” überteuert, zu Hause aber verbannte ich gleich (fast) alle Paraffine aus meinen Kosmetika und kaufte mir eine “etwas” billigere Creme in der Apotheke. Ob’s weiterhin die Apothekencreme sein muss, sei dahingestellt. Aber ich nehme mir jetzt wieder mehr Zeit für mich und mein Gesicht und das fühlt sich seitdem gar nicht mehr so dünnhäutig an.

Fazit: Auszeit muss!

So eine Mama-Auszeit kann ich deshalb nur empfehlen und Lesemaus und Leseratte? Die haben mich angeblich gar nicht vermisst. Erst Tage später brach es aus Lesemaus heraus, dass ich doch nicht mehr ohne sie wegfahren solle. Und da stellte ich mir zwei süße, strampelnde Kinderbeinchen (plus Leseratte vier) im Solebecken vor und fand diese Vision gar nicht so schlecht. Aber vielleicht sollten diese Kinderbeinchen erst einmal noch etwas wachsen, damit ich die Auszeit mit ihnen so richtig genießen kann.

Der Baer in mir Laura Berg

Der Bär in mir – Wenn das Baby krank ist

Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung ist nun schon eine Weile her. Aber es war eine Impfung, die in meinem Gedächtnis blieb. Eine Impfung, bei der es 7 bis 10 Tage später zu harmlosen Impfmasern mit leichtem Fieber kommen kann. Der Haken an der Sache war, dass Leon viel heftiger reagierte. Da saß er nun mit Ausschlag, vor allem am Rumpf – mochte nicht spielen, nur auf dem Arm sein – und blickte mich mit glasigen Augen an. Der Arzt meinte, es habe sich auf die normale Impfreaktion wohl noch eine Erkältung aufgepfropft.

“Ich mach’ Dich gesund, sagte der Bär”

Bei seinem Anblick musste ich an Janoschs „Ich mach Dich gesund, sagte der Bär“ denken: „Einmal kam der kleine Tiger aus dem Wald gehumpelt. Konnte nicht mehr gehen, nicht mehr stehen und fiel um. Legte sich unterwegs, mitten auf der Wiese, einfach auf die Erde.“ Denn auch Leon, der sonst so fit wie ein Turnschuh Regale ausräumt, die Spülmaschine beklettert und Klopapierrollen abrollt, legte sich einfach schlapp und lethargisch auf den Boden.
Meine Sorgen wuchsen mit jedem Tag, an dem das Fieber nicht weggehen wollte und da erwachte er …

… der Bär in mir.

Der Bär, der zum Tiger sagt: „Ich mach‘ dich gesund.“ Und ich trug ihn und ich bekochte ihn mit Bouillon und deckte ihn mit seiner Kuscheldecke zu. Und ich brachte ihn zu seinem Kinderarzt, der mich ein wenig an Doktor Brausefrosch erinnert. Und nach einer Woche da war er „total komplett gesund geheilt.“

Ob Leon mich gesund machen wird, wenn ich einmal alt und krank bin? So wie der Tiger „selbstverständlich!“ sagt, als der Bär ihn bittet, auch einmal krank sein zu dürfen, um vom Tiger geheilt zu werden? Als Sophie noch nicht drei Jahre alt war, sagte sie einmal zu mir: „Mama, wenn Du alt bist, fahre ich Dich in einem kleinen Wagen!“

Anmerkung: Dies soll kein Beitrag gegen das Impfen sein, das ich für sehr wichtig halte!

Dodotz © Laura Berg

Meine Freundin Dodotz

Sie war bereits eine enge Freundin meiner Tochter, aber mein Sohn liebt sie noch mehr. Wovon ich spreche? Na von Dodotz – so wurde sie von Lesemaus genannt. Wie Leseratte sie nennen wird, weiß ich noch nicht. Er ist gerade mal eins und beschränkt sich noch auf Worte wie „Da“ und „Ja“. Dass er ihr verfallen ist, das kann ich jedoch mit absoluter Sicherheit sagen. Ihr wisst immer noch nicht, wen ich meine? Ist ja auch zu profan, um wahr zu sein. Die Rede ist von unserer Waschmaschine.

Den Kopf in der Trommel

Wenn ihre Tür offen steht, steckt mein Sohn den Kopf in die Trommel. Manchmal nagt er auch genussvoll am Türgummi. Ich habe dann immer ein bisschen Angst, dass er ganz hineinklettern könnte oder sich vergiftet und stoppe ihn vorsichtshalber. Wenn ich sie belade, ist er aufmerksam dabei und entlädt die ein oder andere Socke oder den ein oder anderen Waschlappen gleich erst mal wieder. Den Vorgang der Waschmittel- und Weichspülereinfüllung beobachtet er genau und wenn sie dann endlich läuft, kniet er hingebungsvoll davor und zeigt auf vorbei kreisende bunte Kleidungsstücke mit einem fröhlichen, wiedererkennenden „Da“ – Runde für Runde. Wenn sie anfängt zu schleudern, hängt er wackelnd, aber begeistert an der Tür. Weil er – ganz Mann – aber auch Knöpfchen und bunte Lichter liebt, muss ich immer aufpassen, dass er seine Dodotz, oder wie auch immer er sie einmal nennen wird, nicht ausstellt oder mir die Wollwäsche verkocht.

Die Treue halten?

Ob er ihr auch in vielen Jahren noch die Treue halten wird, wenn er sie selbst beladen muss? Ich denke nicht. Wahrscheinlich wird ihm die mit ihr verbundene Sisyphus-Arbeit dann genauso auf die Nerven gehen wie mir. Wäre da nicht dieses unheimlich beruhigende Gefühl beim Blick in die Trommel auf die vorbei kreisenden Kleidungsstücke.

Nachtrag: Leseratte ist inzwischen 2 und hilft mir begeistert beim Wäscheaufhängen. Den Waschvorgang und die damit verbundenen Geräusche mag er aber gar nicht mehr. Kommt er an der laufenden Waschmaschine, die inzwischen “Tschüne” heißt, vorbei, greift ein kleines Händchen blitzschnell zum Temperaturregler und dreht ihn in irgendeine Richtung. Genauso verfährt er mit dem Trockner. Was das wohl zu bedeuten hat?