Archiv für den Monat: März 2017

Liebende bleiben

Liebende bleiben mit Jesper-Juul-Interview

Ist das nicht ein schöner Titel? Jesper Juuls neues Buch mit dem Untertitel “Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken” ist ein Geschenk. Ein Geschenk für alle Paare, die sich auf dem langen Weg als Mama und Papa verloren haben und wiederfinden möchten.

Spannende Paargespräche

Der Familientherapeut spricht darin mit Eltern über ihre jeweilige Situation und versucht, mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden – man selbst kann daraus viel über seine eigene Familie lernen. Um Familie und Partnerschaft geht es also in diesem Buch, das sieben Beratungsgespräche wiedergibt, die Jesper Juul während eines Aufenthalts in München geführt hat.

Da sind Yvonne und Tobias mit Lara (5) und Ben (1). Sie sind sich überhaupt nicht einig in Beziehungsfragen und wisst ihr was: Das ist auch gut so! Denn es ist ok, wenn jeder seinen Standpunkt hat, solange er ihn authentisch vertritt. Und man kann den Partner ja auch vom Gegenteil überzeugen. Das war mir neu! Ich dachte, man müsste immer krampfhaft an einem Strang ziehen (… und sich dabei mehr als einmal selbst verlieren).

Da sind Sarah und Maik mit Fabian (fast 3) und Pia (1), beide Freiberufler. Kinder und zuhause arbeiten, wie soll das gehen? Wie soll man sich zuhause bewusst abgrenzen, wenn man arbeiten muss? Das geht! Aber nicht mit leeren Versprechungen wie: “So, mein Schatz, ich schreibe jetzt mal noch kurz eine Email und dann spielen wir natürlich gleich Lego. Aber das muss ich erst noch machen.” Nach einer Stunde ist man aber immer noch nicht da. Klarheit ist wichtig: “Ich arbeite jetzt.”

Paartherapie? Nö!

Diese und viele weitere Gespräche (sowie Tipps von Jesper Juul) finden sich wörtlich wiedergegeben in dem modernen Beziehungsratgeber, der – wie ich finde – eine Paartherapie ersetzen kann, wenn noch nicht alles total festgefahren und kurz vor dem Auseinanderbrechen ist.

Was ist aber, wenn die Luft schon am Brennen ist?

Diese Frage durfte ich Jesper Juul stellen und er hat mir Folgendes dazu geantwortet:

Jesper Juul: “Eltern befinden sich diesbezüglich in der gleichen Situation wie Kleinkinder: Sie müssen sich mit ihren eigenen emotionalen Reaktionen vertraut machen, um sie kennenzulernen und Möglichkeiten zu finden, sie auf eine Weise zum Ausdruck zu bringen, die eine Beziehung stärkt.

Wenn ein Elternteil laut wird, ist es wichtig, dem/der Betreffenden zu ermöglichen, die verbale Auseinandersetzung mit dem Kind  weiterzuführen und zu beenden; danach (sobald die Emotionen wieder im Lot sind) sollte die Frage erfolgen: „Was genau ist passiert?“ Nur wenn wir dieser Frage im Dialog mit einem anderen einfühlsamen Erwachsenen nachgehen, können wir lernen, unsere Stimmbandmuskeln zu steuern und statt der lauten Töne die leisen anzuschlagen.

Deshalb habe ich ein Problem mit der Zuordnung zu den beiden Kategorien „positive und negative Gefühle“. Frustration und Wut sind ebenso ein Teil der Liebe wie Kuscheln und Massage. Die Qualität Ihrer Erziehung sollte nicht an der Häufigkeit der Wutgefühle gemessen werden, sondern vielmehr an der Entscheidung, wie Sie (als Paar und als Einzelpersonen) damit umgehen.”

Weitere spannende Fragen und die Antworten darauf findet ihr bei den tollen Blogs:

Munchkins Happy Place

Frieda Friedlich

Cuchikind

Mama Berlin

Wheelymum

und Papalapapi.

Buchinformation: Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken. Für Erwachsene, Beltz Verlag 2017

 

Das U-Boot auf dem Berg

Das U-Boot auf dem Berg

Es ist schon ein wenig her, da war ich mit Lesemaus bei einer buntschillernden Lesung abends im Berliner Aquarium zusammen mit vielen, vielen Fischen, einigen Menschen und dem Kinderbuchautor Ulrich Fasshauer. Er las aus seinem Buch “Das U-Boot auf dem Berg”.

Berliner Aquarium

Aufgeregt auf dem Weg ins Aquarium … © Stefanie Roloff

Wie kommt ein U-Boot auf den Berg?

Wenn man es von seinem verrückten Onkel geschenkt bekommt. So wie Mauritius von Onkel Christoph zu seinem 12. Geburtstag und das passt, denn im Leben des Jungen dreht sich vieles um Fische – er will Meeresbiologe werden. Und das U-Boot und der Onkel bringen seine kleine, ruhige Welt, in der sich alles um Fische dreht, ganz schön durcheinander.

IMG_6316

Gelb wie ‘ne Zitrone lauschte auch er der Lesung! © Stefanie Roloff

Onkel Christoph ist verrückt!

Denn Onkel Christoph ist seltsam, wirklich verrückt und das findet Mauritius am Anfang ganz schön unangenehm, als dieser kommt, um “erst einmal” bei der Familie zu bleiben. Doch von dieser Andersartigkeit kann er auch ganz schön viel lernen. Lernen, wie man Mieke anspricht, in die er heimlich verliebt ist, lernen, wie man einen Wahnsinnsgeburtstag mit der ganzen Klasse übersteht und vieles mehr … Und schließlich möchte er doch gerne genauso sein wie sein Onkel, obwohl er weiß, dass man sich an Christophs psychischer Krankheit nicht anstecken kann. Doch was dann noch alles Verrücktes passiert, müsst ihr selbst lesen …

Der Autor

Ulrich Fasshauer

Der Autor bei der Lesung im Aquarium, © Stefanie Roloff

Geboren wurde Ulrich Fasshauer 1973 in Köln. Er absolvierte seinen Zivildienst in einer psychiatrischen Klinik, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln und Paris und arbeitete im Anschluss als Dozent an der Universität zu Köln. Heute lebt er in Berlin, schreibt Kinder- und Jugendbücher und lektoriert Drehbücher.

Fische im Berliner Aquarium

Wusstet ihr, dass es pinke Fische gibt? Vielleicht hat Onkel Christoph sie erfunden … In der Mitte klebt übrigens kein Blümchen, sondern ein kleines Seesternchen … © Stefanie Roloff

Buchinformation: Ulrich Fasshauer – Das U-Boot auf dem Berg, Tulipan Verlag, ab 10 Jahre