Archiv für den Monat: Mai 2015

Cover "Florian lässt sich Zeit", © Tyrolia

Florian lässt sich Zeit

Inklusion ist in aller Munde und tolle Blogs wie Sonea Sonnenschein und kaiserinnenreich  leisten einen großartigen Beitrag dafür, dass das so bleibt. Jenseits der Debatten ist es wichtig zu sehen, dass es darum geht, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Darum, nicht nur Plätze für “Inklusionskinder” an Schulen zu schaffen, sondern ein aktives Miteinander zu leben, in dem jeder so sein kann, wie er ist. Ich habe im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Einrichtung für schwerst-mehrfach-behinderte Erwachsene gearbeitet und das wichtigste, was ich dabei gelernt habe, war: Egal welche Behinderung jeder einzelne hatte, er war ein Mensch. Ein Mensch wie du und ich – mit alltäglichen Sorgen und Nöten. Das Problem hatten oft mehr die angeblich “Normalen.”

Das hat sich vielleicht auch Adele Sansone gedacht, als sie das Bilderbuch “Florian lässt sich Zeit” geschrieben hat.

Eine Geschichte zum Down-Syndrom

"Florian lässt sich Zeit" © Adele Sansone

“Florian lässt sich Zeit” © Adele Sansone

Florian und sein jüngerer Bruder Peter gehen zusammen in den Kindergarten. Florian “ist ein besonders Kind – ein Kind mit Down-Syndrom, wie die Erwachsenen sagen.” Als alle schon Ball spielen, ist er noch nicht im Gruppenraum. Als alle konkrete Bilder malen, malt er nur einen roten Kreis und stottern tut er auch. Darüber machen sich manche Kinder lustig. Sein Bruder und die Erzieherin aber sagen einfach nur “Florian lässt sich Zeit”. Zeit mit dem Spielen, mit dem Malen, mit dem Reden.  Doch nicht alle verstehen, dass er nicht alles so kann wie sie.

Nur Florian spielt nicht mit © Adele Sansone

Nur Florian spielt nicht mit © Adele Sansone

Als die Kinder draußen spielen, macht er deshalb nicht mit. Doch dann fällt Lisa hin und er eilt zu ihr, um sie zu trösten. Da merken die anderen, dass es nicht nur nervt, sich Zeit zu lassen, sondern dass es ganz toll ist, wenn einer sich Zeit nimmt, um die Tränen eines anderen zu trocknen. Florian ist nicht wie alle anderen. Aber das auch und vor allem im positiven Sinne!

Behinderung ist keine Krankheit

Adele Sansone erzählt eine einfühlsame Geschichte darüber, dass das Down-Syndrom nicht nur negative Seiten, wie Entwicklungsverzögerungen, hat, sondern auch ganz besondere Stärken und ganz besonders liebevolle und liebenswerte Menschen hervorbringt. Die Zeichnungen im Aquarellstil hätten an mancher Stelle noch etwas Feinschliff vertragen, aber der Inhalt stimmt und zeigt wunderbar, dass Behinderung keine Krankheit ist und jeder Mensch als derjenige akzeptiert werden sollte, der er ist. Das Buch erscheint demnächst auch in China.

Lesemaus und Leseratte werden auf eine Schule gehen, die seit vielen Jahren Kinder mit und ohne Behinderung erfolgreich zusammen unterrichtet. Im angegliederten Hort arbeiten auch einige behinderte Erzieher und Erzieherinnen, deren Arbeitsplatz auf ihr jeweiliges “Handicap” ausgerichtet ist. Inklusion sollte bedeuten, dass jeder einen Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft hat, auch nach der Schulzeit.

Buchinformationen:

Adele Sansone: Florian lässt sich Zeit, Verlagsanstalt Tyrolia 2012, ab 4 Jahre

Cover Paula Frau Hummel und die Liebe © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Paula, Frau Hummel und die Liebe

Das Kindergartenkind Paula und Frau Hummel sind Nachbarinnen in einem kleinen Dorf, das nur aus sieben Häusern besteht. Wenn Paulas Mutter in der Stadt im Kiosk Zeitungen verkauft, dann passt die schon etwa ältere Frau Hummel, von Paula nur “Hummel” genannt, auf sie auf.

Das Angelritual und die Anzeige

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Paula und Frau Hummel auf dem Weg zum Angeln, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Sonntags gehen Paula und Frau Hummel sowie Kater Benno seit neuestem zusammen angeln an ihrer Lieblingsweide am See. Sonntags ist die alleinstehende Frau Hummel nämlich sonst ganz schön einsam. Doch mit einem Mal wird alles anders, als Paula erfährt, dass die alte Frau Besuch von einem Mann bekommen wird, den sie über eine Anzeige kennengelernt hat: “Älterer Herr aus Greifswald sucht liebevolle Dame.” Heinrich heißt der Mann und sieben Briefe auf rosa Papier hat er der über Sechzigjährigen schon geschrieben. Da versteht Paula, dass der Besuch wichtig ist – trotzdem sie Eifersucht fühlt.

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Sieben rosarote Briefe, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

Heinrichs Besuch

Emsig bereiten Paula und Hummel alles vor für Heinrichs Besuch, putzen, backen und streichen sogar die Eingangstür rot an – rot wie die Liebe! Aber als Heinrich kommt, ist er so gar nicht, wie sie in sich vorgestellt haben. Er sieht ein bisschen aus wie eine Vogelscheuche, kann sich kein Leben auf dem Land vorstellen und mag lieber Leberwurstschnitten als den selbst gebackenen Streuselkuchen. Paula wiederum mag ihn nicht und vor allem will sie nicht, dass er ihr Hummel wegnimmt. Und Frau Hummel? Die mag nicht in die Stadt ziehen und ihre Paula verlassen und den See, an dem sie angeln.

Ob es trotzdem noch ein Happy End gibt?  Dazwischen liegen ein zersplitterter Stamm, ein neuer Steg  und ein kaputter Daumen.

Ein Buch über Freundschaft und Liebe

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Am Lieblingsplatz, noch ohne Heinrich, © Dorina Tessmann / Steffen Verlag

In “Paula, Frau Hummel und die Liebe” erzählt der Autor Wolfgang Mahlow die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen einer alten Frau und einem Mädchen, das seine Freundin nicht verlieren will. Es ist aber auch die Geschichte einer Liebe zwischen älteren Menschen und wie sie funktionieren kann, trotzdem beide nicht ins Bild des jeweils anderen passen.

Wolfgang Mahlow erzählt die Geschichte auf “kästnersche Art” mit viel Tiefgang … und viel Text. Es ist für Kinder ab 5 teilweise ein ganz schöne Herausforderung so lange zuzuhören. Auch bei Lesemaus hatte ich bei der Lesung auf der Leipziger Buchmesse das Gefühl, dass sie abschweift. Das stimmte aber nicht – sie hörte trotzdem konzentriert zu (wie sich nachher herausstellte) und freute sich darüber, dass ein Verlagsmitarbeiter herum ging und den Kindern die Illustrationen im Kinderbuch von Dorina Tessmann zeigte: Frau Hummel, die ein bisschen aussieht wie das gleichnamige Tier und die kleine, frech aussehende Paula mit den schwarzen, kurzen Zöpfen. Zart sind die Illustrationen, feinsinnig und skizzenhaft.

“Paula, Frau Hummel und die Liebe” ist keine leichte Kost für Kinder und ein bisschen liegt über dem Buch die Schwere der verlassenen und kleinen Dörfer in vielen Teilen Ostdeutschlands. Die Uckermark diente dem Autor als Vorbild.

Doch genau das macht das Buch auch aus, dass es sich eben nicht einreiht in den Mainstream, sondern daraus hervorragt mit einer liebevollen, einfühlsamen und fein-witzigen Geschichte.

Verlosung

Wir verlosen ein von Autor und Illustratorin auf der Leipziger Buchmesse für Euch signiertes Exemplar des Buches. Schreibt uns einfach in den Kommentaren, was für Euch Liebe ist! Die Verlosung läuft bis 17.5.2015. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Buchinformationen:

Wolfgang Mahlow & Dorina Tessmann: Paula, Frau Hummel und die Liebe, Steffen Verlag 2014, ab 5 Jahre