Archiv für den Monat: Mai 2014

Osman, der Angler

Cover "Osman, der Anlger" © Aladin Verlag

Cover “Osman, der Anlger” © Aladin Verlag

Am Meer sein und träumen. Das finden wir gut – Lesemaus, Leseratte und ich. “Osman, der Angler” gehört dabei unbedingt ins Reisegepäck.

Osman fischt, jedoch keine Fische, sondern Dinge, die andere achtlos weggeworfen und vergessen haben. Das müssen die zwei hungrigen Möwen, die mit ihm fliegen und auf Futter hoffen, erst einmal begreifen. Was will der Angler nur mit all dem Plunder?

Osman will ihn sammeln, um aus dem Krempel kleine Kunstwerke zu machen, “Erinnerungen, Träume und zauberhafte Gegenstände”. Diese gibt er an andere Menschen weiter und macht sie glücklich. Am Ende werden dabei sogar die Möwen satt.

Osman, der Angler lädt zum Träumen ein

Das Pappbilderbuch “Osman, der Angler” erzählt poetisch, aber auch witzig – aus der Perspektive der Möwen – wie Osman fischt und fischt und dabei doch keine Fische, sondern Dinge fängt, die er mit Phantasie zu etwas Besonderem macht. Eine Geschichte, die zeigt, dass es im Leben um mehr gehen sollte als darum, einfach nur satt zu werden. In jeglicher Hinsicht.

Anne Hofmann, die Autorin und Illustratorin von „Osman, der Angler“ realisiert für die Hochschule der Künste in Berlin Animationsfilmproduktionen. Das merkt man diesem Bilderbuch an. Denn fast filmisch springen die satt gefärbten und tiefgründigen Zeichnungen dem Betrachter ins Auge. Mitten rein gezogen werden Kinder in dieses raumfüllende Buch, hinein in eine Welt, die sie förmlich anfassen und riechen können.

Buchinformationen:

Anne Hofmann: Osman, der Angler, ab 4  Jahre, erschienen im Aladin Verlag, 2013, erhältlich unter anderem in der Librileo-Bücherbox für 4-6-Jährige zum Thema “Wasser” vom Mai 2014.

Der kleine Bär und sein kleines Boot

Cover "Der kleine Bär und sein kleines Boot " © Gerstenberg

Cover “Der kleine Bär und sein kleines Boot” © Gerstenberg

Jedes Kind will gern groß werden. Auch Leseratte sagt mir schon jetzt immer deutlich, dass er kein Baby mehr ist, sondern ein Junge.

Wenn aber das Lieblings-T-Shirt plötzlich nicht mehr passt oder die Körpergröße das Schlafen im geliebten Gitterbettchen nicht mehr lange zulässt, fällt der Abschied vom Kleinsein schwer. Genauso geht es dem kleinen Bären im Pappbilderbuch “Der kleine Bär und sein kleines Boot”.

Vom Größerwerden und Abschiednehmen

Schlimm ist es für den kleinen Bären als er feststellt, dass er nicht mehr in sein kleines Boot passt. Denn er hat angefangen zu wachsen. Was soll er nur tun ohne seinen liebsten Spielkameraden, das kleine Boot? Da kommt dem gar nicht mehr so kleinen Bären eine Idee: “Ich muss einen anderen kleinen Bären finden, der mein kleines Boot genauso liebt wie ich!” Und er macht sich auf die Suche nach einem Nachfolger, der mit seinem kleinen Boot auf dem Waldbeersee herumrudern, Fische fangen und träumen kann.

“Der kleine Bär und sein kleines Boot” erzählt liebevoll vom Größerwerden und Abschiednehmen. Ein Dreamteam sind die Autorin Eve Bunting mit ihren feinfühligen, liebevollen Texten und die preisgekrönte Illustratorin Nancy Carpenter, die der Geschichte mit ihren leichten, warmherzigen Zeichnungen die Bilder verliehen hat.

Buchinformationen:

Eve Bunting, Nancy Carpenter: Der kleine Bär und sein kleines Boot, ab 2  Jahre, erschienen im Gerstenberg Verlag, 2011, erhältlich unter anderem in der Librileo-Bücherbox für 2-3-Jährige zum Thema “Wasser” vom Mai 2014.

Der ganze Franz

Cover "Der ganze Franz" © Oetinger Verlag

Cover “Der ganze Franz” © Oetinger Verlag

Ich glaube, er war mein bester Freund. Früher. Und dann vielleicht auch so etwas wie meine erste Liebe. Obwohl er mir rein optisch gar nicht so zugesagt hat. Aber seine Erlebnisse, Abenteuer und Geschichten, die haben diesen Jungen so einzigartig für mich gemacht, dass ich noch heute gern an ihn denke.

Was klingt wie eine schmonzettige Liebeserklärung an den ersten Freund, ist indes eine an eines meiner Lieblingskinderbücher.

 

„Ein Mädchen kann doch nicht Franz heißen“

Denn der Franz, mit all seinem prallgefüllten Leben, der hat mich über sehr lange Zeit begleitet. Angefangen hat es, soweit ich mich erinnere, mit den „Geschichten vom Franz“. Damals, in der Bibliothek ausgeliehen, vertiefte ich mich sofort in seine Welt. Er war irgendwie zu klein, zu blond und hatte zu gelockte Haare, um auf den ersten Blick als Junge zu gelten.

„Der Franz ist sechs Jahre alt. Weil der Franz aber sehr klein ist, merken das viele Leute nicht. Sie halten ihn für vier Jahre. Und dass er ein Bub ist, glauben sie auch nicht.“

Damit konnte ich mich identifizieren, denn bei mir war es genau umgekehrt. Ich war zu groß und hatte zu kurze Haare, statt als Mädchen nahmen mich alle als Junge wahr. Da war es tröstlich zu erleben, dass Franz ganz wütend wird und eine kieksige Stimme bekommt, wenn er sich aufregt. Und letztlich sogar die Hose runterlässt, um zu beweisen, dass er eben doch ein Junge ist.

Identifikationsfigur für Erstleser/-innen

Es sind diese Alltagsgeschichten, die den Franz zu etwas Besonderem machen, für Jungen und Mädchen. Jedes Kind kann sich darin wiederfinden. Es gibt keine großen Geheimnisse, sondern die kleinen, die das Leben von Franz und damit auch seiner Leserinnen und Leser bereichern. Die Bücher bieten neuen Anstoß für Erstleser/-innen, ihre Welt zu erkunden. Sie werden da abgeholt, wo sie stehen. Es gibt keine phantastischen Elemente, sondern stattdessen die Nachbarin, die Familie und den Franz mittendrin. Damit kann sich jedes Kind identifizieren.

Viel Lesestoff

Diese Buchreihe erstreckt sich über so unglaublich viele unterschiedliche Geschichten, dass ich mich gefreut habe, dass die verschiedenen Bücher in einem großen zusammengefasst wurden. Noch ist mein Runzelfüßchen zu klein, um dieses Juwel der Kinderliteratur zu entdecken. Aber ich freue mich schon jetzt darauf, dass ihr diese Möglichkeit offen steht.

Buchinformationen:

Christine Nöstlinger: Der ganze Franz, erschienen bei Oetinger, ab 6 Jahre, 2011. Die Ausgabe ist inzwischen leider vergriffen. Stattdessen erhältlich ist der Sammelband: Alles vom Franz und seinen Freunden, erschienen bei Oetinger, ab 6 Jahre, 2014.

Andrea Zschocher

Von Zeit zu Zeit stellen Gastautorinnen und -autoren ihre Lieblingskinderbücher bei uns vor. Wir danken Andrea Zschocher vom Runzelfüßchen für diesen wunderbaren Buchtipp.

Liebes Kind – Ode eines frustrierten Vaters

Cover Liebes Kind ars editton

Cover “Liebes Kind” © arsEdition

Ich möchte aus dem Haus gehen, aber Lesemaus zieht ihre Schuhe nicht an und Leseratte möchte sowieso viel lieber mit seiner neuen Holzeisenbahn spielen. Im Hof wollen sie eine Nacktschnecke beobachten und unterwegs kommen wir an der Eisdiele einfach nicht weiter – bis ich beiden eine Kugel “Blau” spendiere, die “In”-Sorte des Sommers …

So – und bestimmt noch vielen anderen – ergeht es auch dem Papa in “Liebes Kind – Ode eines frustrierten Vaters”. Kai Lüftner beschreibt darin ironisch in Reimform wie ein Sohn seinen Vater an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt: Indem er im Treppenhaus schreit, während der Papa unter der Last der Einkäufe fast zusammenbricht. Indem er den Laptop mit bunten Wachsmalstiften anmalt oder mit Tomaten auf den Dielen Ball spielt.

Von der Liebe und dem Wahnsinn des Familienlebens

Chaos, Geschrei, Schmutz und Selbstaufgabe – mit den Situationen des kleinen Pappbilderbuchs können sich wohl alle Kleinkind-Eltern identifizieren, aber auch mit der Liebe, die der Vater in der Ode hinausschreit: “Das Vaterherz in meiner Brust brüllt sich vor Liebe wund, und sie brüllt lauter als der Frust, das reicht ja wohl als Grund.”

“Liebes Kind” eignet sich hervorragend als lustiges Mitbringsel für frustrierte Jung-Väter (und auch -Mütter), um ihnen Trost zu spenden, wenn sie mal durchhängen und etwas zum Lachen brauchen. Auch die lieben Kleinen haben Spaß daran, sich anzugucken, was der findige Junge so alles anstellt. Einziges Manko der Ode: Die teils sehr starken Reime von Kai Lüftner klingen an manchen Stellen etwas holprig und hätten noch einen letzten Schliff verdient. Die Illustrationen von Yayo Kawamura hingegen sind durchgehend ausdrucksstark, witzig und liebevoll.

Buchinformationen:

Kai Lüftner & Yayo Kawamura: Liebes Kind – Ode eines frustrierten Vaters, für nahezu jedes Alter, erschienen bei arsEdition, 2014