Archiv für den Monat: Januar 2014

Dodotz © Laura Berg

Meine Freundin Dodotz

Sie war bereits eine enge Freundin meiner Tochter, aber mein Sohn liebt sie noch mehr. Wovon ich spreche? Na von Dodotz – so wurde sie von Lesemaus genannt. Wie Leseratte sie nennen wird, weiß ich noch nicht. Er ist gerade mal eins und beschränkt sich noch auf Worte wie „Da“ und „Ja“. Dass er ihr verfallen ist, das kann ich jedoch mit absoluter Sicherheit sagen. Ihr wisst immer noch nicht, wen ich meine? Ist ja auch zu profan, um wahr zu sein. Die Rede ist von unserer Waschmaschine.

Den Kopf in der Trommel

Wenn ihre Tür offen steht, steckt mein Sohn den Kopf in die Trommel. Manchmal nagt er auch genussvoll am Türgummi. Ich habe dann immer ein bisschen Angst, dass er ganz hineinklettern könnte oder sich vergiftet und stoppe ihn vorsichtshalber. Wenn ich sie belade, ist er aufmerksam dabei und entlädt die ein oder andere Socke oder den ein oder anderen Waschlappen gleich erst mal wieder. Den Vorgang der Waschmittel- und Weichspülereinfüllung beobachtet er genau und wenn sie dann endlich läuft, kniet er hingebungsvoll davor und zeigt auf vorbei kreisende bunte Kleidungsstücke mit einem fröhlichen, wiedererkennenden „Da“ – Runde für Runde. Wenn sie anfängt zu schleudern, hängt er wackelnd, aber begeistert an der Tür. Weil er – ganz Mann – aber auch Knöpfchen und bunte Lichter liebt, muss ich immer aufpassen, dass er seine Dodotz, oder wie auch immer er sie einmal nennen wird, nicht ausstellt oder mir die Wollwäsche verkocht.

Die Treue halten?

Ob er ihr auch in vielen Jahren noch die Treue halten wird, wenn er sie selbst beladen muss? Ich denke nicht. Wahrscheinlich wird ihm die mit ihr verbundene Sisyphus-Arbeit dann genauso auf die Nerven gehen wie mir. Wäre da nicht dieses unheimlich beruhigende Gefühl beim Blick in die Trommel auf die vorbei kreisenden Kleidungsstücke.

Nachtrag: Leseratte ist inzwischen 2 und hilft mir begeistert beim Wäscheaufhängen. Den Waschvorgang und die damit verbundenen Geräusche mag er aber gar nicht mehr. Kommt er an der laufenden Waschmaschine, die inzwischen “Tschüne” heißt, vorbei, greift ein kleines Händchen blitzschnell zum Temperaturregler und dreht ihn in irgendeine Richtung. Genauso verfährt er mit dem Trockner. Was das wohl zu bedeuten hat?