Archiv für den Monat: November 2013

Master of Puppets © Laura Berg

Master of Puppets

Früher habe ich gern Metallica gehört und andere harte Bands. Auch heute noch verlangt es mich ab und an nach derartiger Musik. Stattdessen höre ich Prinzessin Lillifee- und Pippi Langstrumpf-Songs. Oder das Allerschlimmste: Auf Platz eins der persönlichen Charts meiner Tochter stand wochenlang eine CD, die einer Windelpackung beilag. Im Auto und Zuhause schallte billiger Synthie-Sound in mein Ohr: „Zeigt her Eure Füßchen, zeigt her Eure Schuh‘ und sehet den fleißigen Waschfrauen zu. Sie waschen, sie waschen, sie waschen den ganzen Tag…“ Sophie klatschte begeistert mit und ich bekam den Wurm nicht mehr aus meinem Ohr.

Die Geburtsstunde des Metall

Wie erfrischend war es da neulich in der U-Bahn, als Leseratte bequem im Manduca untergebracht einem Gespräch über die angebliche Geburtsstunde des Metall lauschte. Ein wichtigtuerischer Anfang-Zwanzig-Jähriger begoss darin seinen Kumpel mit einem enthusiastischen Wortschwall: „Master of Puppets, das ist doch das Album des Jahrhunderts, mann. Metallica, die haben es doch voll drauf, Alter. Die haben sich doch echt entwickelt über die Jahre. Ey und weißte, die Erfindung der E-Gitarre, das war ja wohl die Geburtsstunde des Metall, Alter, und Metallica, das sind für mich die Stars des harten Sounds. So vielseitig wie die, das hat danach keiner mehr geschafft.“

Rock it, baby!

Ob sich das so unterschreiben lässt, sei dahingestellt. Aber der Anblick meines interessierten Sohnes, der der Ausführung mit großen Augen  zuhörte, beruhigte mich. Vielleicht wird auch er mal Metallica hören, wie meine Generation und die Zwanzigjährigen von heute. Und der Fluss der Zeit wird sich mit Hilfe der Musik zu einem Kreis schließen.

Verkaeufer werden

Aber erst mal bin ich ein Kind!

Wir stellen uns so alles Mögliche vor, wenn wir an die berufliche Zukunft unserer Kinder denken. Sehen die Finger eines Babys besonders lang aus, so denken wir an eine Zukunft als Konzertpianist.

Geht der Sohnemann geschickt mit Bällen um, sehen wir ihn vor unserem geistigen Auge schon zu einem zweiten Poldi heranwachsen. Tanzt das Töchterchen grazil durch die Wohnung, so steht einer Karriere als Balletttänzerin nichts mehr im Wege.

Nur das Beste fürs Kind?

Nur das Beste stellen wir uns vor und Spaß machen soll es unseren Kindern. Und genug Geld bringen. Und Glück. Und ein bisschen brüsten werden wir uns dereinst auch wollen, wenn wir gefragt werden, was aus dem Nachwuchs so geworden ist.

Vor kurzem habe ich Lesemaus gefragt, was sie denn einmal werden wolle. Sie schwieg. „Vielleicht Reiterin oder Verkäuferin?“, schlug ich an die vermeintliche Interessenlage meines Kindes angepasst vor.

„Hm …Vielleicht …“, antwortete sie. „Aber erst mal bin ich ein Kind!“ Tja, so einfach kann es sein, oder? Schluss mit Projektionen, her mit dem Jetzt.

© Laura Berg: Puppi am Herd

Puppi hat schon mal …

Neulich saßen wir beim Abendessen, mein Mann und ich unterhielten uns. Das heißt, wir versuchten uns zu unterhalten, denn Lesemaus funkte permanent dazwischen. Das lief ungefähr so ab:

 „Mama.“„Mama!“ „MAAAAAMAAAAAAA!!!!!“
„Ja, was ist denn? Papa und ich unterhalten uns grade.“
„Mama. Weißt Du was? Puppi hat schon mal an Herd gefasst!“
„Wirklich?“
„Wirklich. In eecht!“
„Und was hast Du dann gemacht?“
„Ich hab Puppi getröstet!“

So läuft es seitdem öfter. Immer wenn ich versuche, ein paar Worte mit meinem Gatten zu wechseln, hat Puppi schon mal an den Herd gefasst und meine Tochter sie getröstet. Eine Sensationsstory vom Feinsten! Nach gefühlten tausend Unglücksfällen am Herd fehlte mir die Kraft adäquat zu reagieren. Da erfuhren Puppis Erlebnisse plötzlich eine dramatische Steigerung:

„Mama, weißt Du was? Puppi ist schon mal in Brunnen gefallen. Wirklich!“
„Und was hast Du gemacht?“
„Ich hab sie rausgeholt.

Familiengruß © Gabriele Neumaier

Familiengruß

Vulkanier heben ihre rechte Hand zum Gruß – Mittelfinger und Ringfinger zum V gespreizt. „Lebe lang und in Frieden“, das sind die Worte, die diese Geste begleiten. Soviel zu meinem Wissen als ehemaliger Startrek-Fan …

The Simpsons meet the Vulcans

Nun bevölkert eine ganz andere Spezies mein Leben und fordert mich lachend zum „Familiengruß“ auf. Mein Mittelfinger berührt dabei ein mit Eis verschmiertes Zeigefingerchen.

Mit dem Frieden ist es erst einmal vorbei. Lang leben werde ich hoffentlich trotzdem. Und ist es nicht auch schön, einen absolut eigenen Familiengruß zu haben? Ich erinnere mich an eine Simpsons-Folge, in der sämtliche Familienmitglieder zum Gruße ein kleines Pfeifchen an die Lippen setzten. So könnte man funktionierende Familie auch beschreiben: The Simpsons meet the Vulcans …

Ich empfehle: Sternzeit 46944,2

Fußnote: Liegen die Nerven mal wieder blank, so empfehle ich Sternzeit 46944,2. In der Folge „Gefangen in einem temporären Fragment“ erleidet Captain Picard einen Nervenzusammenbruch und malt einer in der Zeit stehengebliebenen Explosionswolke ein Gesicht auf. Das baut wieder auf und lässt das eigene ausweglos erscheinende temporäre Fragment wieder in sonnigerem Licht erscheinen!

Bildrechte: © Gabriele Neumaier